Des Kindes eigene Vernunft

Johanna, 10.09.2006

Heute war ich baff. Sie (7) kam gegen 20.30 in mein Zimmer, und ich sagte ihr, sie “müsste” bald ins Bett. “Also du musst nicht, aber morgen hast du Schule. Du kannst, wenn du nichts anderes vor hast”. Sie meinte, sie wolle nur noch schnell was basteln. Ich habe nichts weiter gesagt und 5 Minuten später stand sie neben mir, im Pyjama und fragte, ob ich mit ihr Zähne putzen gehe. Gerne! gehe ich mit Zähne putzen, wenn wir uns nicht vorher 5 Mal darüber gestritten haben, ob sie überhaupt ins Bett soll und ob man überhaupt Zähne putzen muss.

Schön zu wissen, dass ich auf ihre eigene Vernunft vertrauen kann!

Was uns noch aufgefallen ist: Statt rumzuheulen wie früher, fragt sie nun endlich nach Hilfe!!! Wie oft habe ich ihr frührer gesagt, sie braucht nicht rumheulen, sie soll doch einfach fragen oder um Hilfe bitten, wenn sie was braucht! Ich habe nie verstanden, warum sie es nicht einfach macht, wo es doch viel einfacher wäre! Ich habe immer versucht, sie zu zwigen, etwa: “Sag’s noch Mal richtig!” Das war wohl der Fehler ;)

Gestern als sie auf dem Toilette saß, und es kein Toilettenpapier gab, rief sie mir zu “Mama, könntest du mir bitte Klopapier geben, ich komme leider nicht dran!” total freundlich und so ungewohnt, dass ich erst Mal verdutzt war!

Unsere Erklärung dafür: Sie vertraut uns mehr, dass sie auch wirklich Hilfe bekommen wird. Und sie braucht nur zu fragen.

Kuscheln = müde

Johanna, 09.09.2006

Nach einer kleinen 2-tägigen Krise ab dem Tag nach meinem letzten Eintrag, ging es stets bergauf. Die Krise hatte damit zu tun, dass wir unsere Bedürfnisse zu weit zurück gesteckt haben und nicht wussten, dass wir den “schönen Abend” am Ende des Tages wirklich brauchen. Wir haben zwar weiterhin keine festen Bettzeiten, aber wir achten auf die Zeichen unserer Kinder, wann sie anfangen, müde zu werden und diese kehren mit gewisser Regelmäßigkeit wieder. Außerdem, weil unsere Tochter ja in die Schule muss und früh aufsteht, wird sie automatisch abends müde.

Bei ihr zeigt ihr täglicher Wunsch nach “kuscheln” eindeutig, dass sie müde ist, und sie weiß das mittlerweile selbst. Wir putzen gemeinsam Zähne, ich begleite sie ins Bett und wir kuscheln solange, wie eine von beiden keine Lust mehr hat. Ich versuche aber, auf ihre Bedürfnisse so weit es mir möglich ist einzugehen, auch wenn ich am liebsten chatten gehen will ;) Bislang konnten wir also trotzdem noch unsere Abende genießen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Familienleben sehr angenehm geworden ist. Wenn man keine Regeln hat, an die man sich halten muss, muss man auch nicht ständig kontrollieren und man muss sich auch nicht ständig darüber ärgern, wenn sie nicht eingehalten werden :) Klappt wunderbar bis jetzt, ich bin aber gespannt, was noch für Probleme auf uns zu kommen und hoffe natürlich diese meistern zu können.

Ich habe aber mehr und mehr das Gefühl, die Prinzipien von Unschooling weitestgehend verstanden zu haben und bin immer noch davon überzeugt.

Unerzogen Magazin