A Different Choice

Johanna, 23.02.2007

If the child knows you can make a different choice then it’s punishment rather than a consequence.

(Übersetzung: Wenn das Kind weiß, dass du eine andere Wahl/Entscheidung treffen kannst, dann ist es keine “Konsequenz” sondern eine Bestrafung. Kommentar: Es ging um einen Beitrag, bei dem eine Mutter meinte, wenn sie ihre Bestürzung oder ihre Ärger gegenüber das Kind, was sich gerade “falsch” verhält, zum Ausdruck bringt, dann sei es doch keine Strafe, sondern eine “natürliche Konsequenz”.)

Von Joyce Fetteroll

Diesen Satz schrieb Joyce in der UnschoolingBasics Mailingliste . Er trifft den Punkt einfach genau. Genau das ist es, was für ein Kind die Willkür ausmacht. Meistens wissen Kinder eben genau, dass es eben doch anders gehen könnte. Dann ist es auch kein Wunder, wenn sie sich gegen bestimmte Maßnahmen von Eltern auflehnen und “trotzen”.

Dabei ist zu beachten, dass “anders handeln” nicht unbedingt die Handlung an sich betreffen muss – manchmal kann man wohl doch nicht anders handeln (man “muss” irgendwo hin etc.) – die Haltung ist entscheidend: Rastet Mama aus, weil sie nicht verstehen kann, dass ich trödele? Ist Papa ganz demonstrativ genervt, weil ich nicht sofort komme?

Übergangszeit und Schule

Johanna, 22.02.2007

Die Schulsituation bei uns wird zunehmend schwieriger. Mein Sohn geht seit einem halben Jahr in die 5. Klasse einer Gesamtschule – und dort geht es ganz schön anders zu als in seiner im Grossen und Ganzen doch recht guten Grundschule vorher. Der Unterricht in den meisten Fächern langweilt ihn und den Druck zu funktionieren sowie die Willkür der Lehrer empfindet er sehr schlimm. Ein Lehrer tauscht z.B. gern mal seine Sportstunden gegen ein anderes Fach aus und sagt auf Kritik meines Kindes dazu nur, das sei sein Unterricht und er mache was er wolle! So geht mein Sohn also mit nachlassender Begeisterung hin, verweigert sich zunehmend, bekommt bei einem Lehrer regelmässig Kopfschmerzen (in Mathe, was früher eines seiner Lieblingsfächer war!) und hat in den letzten Monaten meiner Beobachtung nach überwiegend Vermeidungsstrategien gelernt und Motivation verloren.

Ich vermute auch, dass ihm durch die gewonnene Freiheit daheim der enge Rahmen in der Schule noch mehr auffällt. Und vielleicht hat ihn auch mein Lesen und Reden über Homeschooling/Unschooling beeinflusst? ... jedenfalls geht er immer seltener in die Schule, letzte Woche war er 4 Tage lang zuhause. Am dritten Tag gab es Streit deswegen – ich bin ja grundsätzlich dafür und bereit ihn zu unterstützen, wenn er unschoolen möchte. Aber ich bin noch nicht so weit, bin noch auf der Suche nach einer für uns möglichen Lösung und will mich nicht so unvorbereitet mit den hiesigen Behörden auseinandersetzen müssen. Und er war so überhaupt nicht gesprächsbereit, als ich mit ihm darüber reden wollte, hat nur abgeblockt. Nach ein paar sehr heftigen Stunden, in denen er überwiegend “sinnlos” herumgeschrieen hat und alles mögliche wollte, was gerade nicht ging – ich habe nicht herausgefunden, was er wirklich wollte, habe es aber immerhin geschafft, ruhig zu bleiben, hat er irgendwann angekündigt, er würde auch am nächsten Tag zuhause bleiben. Und über sein Leben nachdenken, darüber, wie er weitermachen will. Uff.

Am nächsten Tag ist er erst gegen Mittag aus seinem Zimmer gekommen und hat seinen Entschluss bekanntgegeben: er wolle versuchen, künftig in der Schule mal das Positive zu sehen, nicht immer nur das Negative. Fand ich eine wirklich gute Idee und überraschend konstruktiv! Er ist dann am nächsten Schultag auch wieder losgegangen. Und hat nachmittags erzählt, es hätte funktioniert; der Deutschunterricht (sonst eher unbeliebt) hätte richtig Spass gemacht. Aber in Mathe habe er doch wieder Kopfschmerzen bekommen. Grr. Manche Lehrer sollte man wirklich nicht auf die Schüler loslassen!
Am nächsten Morgen allerdings schon wieder “ich gehe heute nicht in die Schule”. Allerdings war er jetzt viel offener. Wir konnten reden. Er hat gesagt, er sei nicht krank. Aber demotiviert. Ich habe ihm gesagt, ich sei gerne bereit, ihn zu unterstützen und mit ihm zusammen eine Lösung zu suchen. Habe ihm die Möglichkeiten beschrieben, naja, die Ansätze … und auch die Risiken im Umgang mit den Behörden beschrieben und ihm gesagt, dass ich noch Zeit brauche und diese Risiken momentan, ohne mehr Informationen, nicht eingehen möchte. Wir haben vereinbart, dass er 1-2 Tage die Woche daheim bleiben kann, aber an den übrigen Tagen in die Schule geht.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht – und sehr froh, dass wir wieder miteinander sprechen und zusammenarbeiten, ich habe das Gefühl, dass wir einen Schritt weiter sind in unserer Beziehung.

Gleichberechtigung bei uns zu Hause – Unsere Anfänge

Johanna, 22.02.2007

Mitte Januar 2007, also vor gut 4 Wochen, habe ich mich entschieden, meine Kinder (2 und 11 J.) nicht mehr zu erziehen und sie in der ihnen zustehenden Freiheit aufwachsen zu lassen und sie dabei so gut wie es mir möglich ist zu begleiten und zu unterstützen. Meine – unsere – Erfahrungen dabei möchte ich hier im Blog mit euch teilen. Heute besonders über die momentane Entwicklung bei meinem Grossen, der ja nun, obwohl er mMn schon relativ frei aufgewachsen ist, dennoch bereits 11 Jahre Erziehung hinter sich hat.

Angefangen habe ich damit, einfach öfter mal “Ja” zu sagen zu Fragen bezüglich Fernsehen, Süssigkeiten etc. – es hat nur 2 Tage gedauert, dann hat mein Sohn schon nachgefragt, was eigentlich mit mir los sei, ich sei so anders, und ich hab es ihm erklärt. Er war erstmal sehr erstaunt und sehr erfreut. Hat sofort angefangen, seine Freiheit zu geniessen, Fernsehen, DVDs und Computer stundenlang, auch gern mal 3 Filme hintereinander. Süssigkeiten und Chips den ganzen Tag, falls verfügbar. Pizza-essen abends um elf, schmutziges Geschirr und Essensreste bleiben überall stehen, er räumt sein Zimmer nicht mehr auf und Waschen und Zähneputzen sind auch auf der Strecke geblieben. Ausserdem macht er kaum Hausaufgaben und bleibt immer öfter mal zuhause statt in die Schule zu gehen. Etwa 1-2 Tage die Woche. Früher waren es etwa 3-4 Tage im Monat, an denen er dann morgens “krank” war (und spätestens um 10 wieder fit ;) ) ... fand ich immer okay. Jetzt täuscht er keine Krankheit mehr vor sondern sagt einfach “ich bleibe heute zuhause”. Oftmals geht es ihm allerdings morgens wirklich nicht sooo gut – Kunststück, bei diesem Lebenswandel ;)

Das waren übrigens auch tatsächlich die am stärksten reglementierten Themen bei uns – Bildschirm, Aufräumen, Essen + Essenszeiten und -orte. Offensichtlich hat er da grossen Bedarf an eigenem Entscheidungsspielraum.

Ich schlage ihm weiterhin immer mal wieder gemeinsame Aktivitäten, gemeinsame Mahlzeiten etc vor – das nimmt er teilweise an, häufig aber auch nicht. Ich hoffe darauf, dass es wieder mehr werden wird.

In den ersten 1-2 Wochen war er sehr freundlich, auch sehr hilfsbereit, viel mehr als vorher. Also hat z.B. auf meine Bitte hin sofort den Müll rausgebracht etc. Zwischen ihm und seinem weiterhin erziehenden Vater dagegen ist der Umgangston zunehmend heftiger geworden … und inzwischen ist er uns allen gegenüber teilweise sehr unfreundlich, schreit rum, ist rücksichtslos … sehr anstrengend! Und ich schaffe es trotz bester Vorsätze nicht immer, freundlich und gelassen zu bleiben …. (aber immer öfter ;) )

Z.B. schreit er oftmals seine kleine Schwester derart an …. das kann ich dann auch nicht so stehenlassen. Zumindest muss ich sie trösten und ihr vermitteln, dass das so nicht in Ordnung ist. Er erzieht sie auch aufs heftigste – na klar, er tut das, was er im Laufe seines Lebens gelernt hat.

Wenn mir doch mal wieder was “Erzieherisches” rausrutscht, spreche ich danach mit ihm darüber. Seiner Unordnung räume ich momentan, meist kommentarlos, sehr viel hinterher – für eine Übergangszeit finde ich das okay, aber natürlich will ich das nicht dauerhaft machen und sage ihm das auch gelegentlich. So im Sinne von meiner Freiheit, die ich auch respektiert haben möchte. Das ist auch ein Problem: die Grenzen, die Freiheit von uns anderen ignoriert er, sieht momentan nur seinen Willen und seine Rechte. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das noch ändern wird.

Gelegentlich eskalieren die Situationen: neulich ist er morgens nach einem langen Abend vor dem Fernseher nicht in die Schule gegangen, hat auch den Zahnarzttermin am Nachmittag verweigert. Wir haben dann nachmittags zusammen gelesen (ich lese ihm noch immer vor, wir mögen das beide, und lesen auf diese Art zusammen häufig Bücher, die uns beiden gefallen, wie Eragon oder Harry Potter oder ähnliches.) Die Kleine war natürlich dabei, sie wollte spielen, er aber nur zuhören, sie hat ihn gestört, hat laut gesungen, er hat sie angeschrieen …. ich hab aufgehört zu lesen, denn ich mag nicht vorlesen, wenn eh keiner zuhört. Der Grosse schreit “ist jetzt endlich Ruhe” und ich sage, ja, okay, jetzt ist Ruhe und ich höre auf zu lesen. Hm. Bessere Lösung? Keine Idee. Er stürmt daraufhin wütend und türenknallend aus dem Raum. Das passiert ziemlich häufig zur Zeit.

Kindergarten – Beobachtungen

Johanna, 22.02.2007

Die Erzieherin spielt mit 3 Kindern (2-3 Jahre alt) ein Spiel: Puzzle-Karten mit Bildern drauf, die jeweils paarweise zugeordnet werden sollen. Z.B. Tisch zu Stuhl, Schuh zu Socke, Eimer zu Schaufel, Giesskanne zu Blume usw. ... Der Definition nach “richtige” Paare lassen sich zusammenstecken, die anderen nicht.

Ganz abgesehen von der Frage, welche Paare “richtig” sind (wieso passt Eimer zu Schaufel, aber nicht zu Giesskanne? Ein völlig blödes Spiel ohnehin!) ...

... statt dass die Erzieherin nun die Kinder ausprobieren lässt, legt sie ihnen eine Karte vor, drängt bei zu langem Überlegen (geschätzt: 20-30 Sekunden), sagt sofort “falsch” bei der Wahl einer nicht passenden Karte und schiebt dem Kind die “richtige” hin. Der Nächste bitte. Als ein Kind keine Lust mehr hat und aufsteht, sagt sie ihm, er müsse aber bis zum Ende des Spieles mitspielen …

... ich hätte schreien können: gibt es einen besseren Weg, den Kindern den Spass und den Lerneifer zu verderben?!? Am liebsten hätte ich meine Kleine gleich wieder mitgenommen, aber das ging leider nicht … glücklicherweise
lassen sie die kinder immerhin die meiste Zeit frei spielen und machen
selten solche spiele.

Wenngleich der Tag natürlich stark reglementiert ist und immer vorgegeben wird, wo jetzt was angesagt ist (jetzt rausgehen, jetzt essen, jetzt in den Bewegungsraum, jetzt singen usw ….. )

:(

Unerzogen Magazin