Resolution der unerzogen-Mailingliste gegen Gewalt

Johanna, 03.05.2008

Die Mitglieder der unerzogen-Liste lehnen jegliche Gewalt gegen unsere Mitmenschen und somit natürlich auch gegen Kinder ab. Ebenso ist es uns wichtig, dass Kinder in Freiheit, gleichberechtigt und ohne Manipulation seitens erwachsener Menschen aufwachsen können.

Aus diesem Grund befürworten wir auch die Bildungsfreiheit – damit Kinder selbst entscheiden können, ob sie eine Schule besuchen möchten oder nicht und sich als Menschen frei entwickeln und bilden können.

Bildungsfreiheit sollte immer mit Aufmerksamkeit und Respekt (auch) gegenüber den Kindern verbunden sein. Gewaltanwendung bzw. Züchtigung (egal aus welcher Motivation heraus) widerspricht jeglicher Vorstellung von respektvollem Umgang miteinander und wird von den Mitgliedern dieser Liste kategorisch abgelehnt.

Auch in einer Gesellschaft, in der Bildungsfreiheit verwirklicht ist, ist es wichtig, das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit sowie die Persönlichkeit der Kinder bedingungslos anzuerkennen und zu achten.

Alle Menschen haben das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit und ein Recht auf freie Entwicklungsmöglichkeit. Diese Grundrechte gilt es zu schützen.

Mitglieder der unerzogen-Liste, im April 2008

Offener Brief an das Netzwerk Bildungsfreiheit

Johanna, 03.05.2008

Liebe Mitglieder des Netzwerkes Bildungsfreiheit,

einige Mitglieder der unerzogen-Liste haben in den letzten Wochen sehr intensiv über das Thema (körperliche)¹ Gewalt vs. Bildungsfreiheit diskutiert. Anlass war ein Internet-Posting einer Frau, welche sich einerseits für Homeschooling und Bildungsfreiheit einsetzt und sich andererseits offen dazu bekennt, ihre Kinder gezielt und disziplinarisch mit einem Kochlöffel zu schlagen/zu züchtigen. In ihrem Posting verteidigte sie ihre Handlung damit, dass sie niemals im Affekt, sondern immer nur bewusst und ruhig zuschlage.

Es fand eine intensive und lebendige Diskussion in der unerzogen-Liste zum Thema “Bildungsfreiheit vs. Kochlöffel” statt. Besonders bedrückend wurde die Tatsache empfunden, dass durch den oben geschilderten Fall wieder einmal das Thema Bildungsfreiheit mit religiös motivierter und manipulativer Erziehung, die auch Gewaltanwendung gegenüber Kindern billigt, in Verbindung gebracht wird.

Das Argument, das von Kritikern der Bildungsfreiheit immer wieder ins Feld geführt wird, wird traurigerweise durch Meldungen dieser Art auch noch bestätigt. Es gibt berechtigte Befürchtungen, dass Äußerungen wie die der schlagenden Mutter die intensiven Bemühungen für eine Abschaffung der Schulpflicht um Lichtjahre zurückwerfen könnte.

Da die Arbeit des Netzwerkes Bildungsfreiheit auch in unseren Augen außerordentlich wichtig ist, und wir diese Arbeit ja auch gerne unterstützen, wären wir Euch dankbar, wenn Ihr unsere Bedenken ernst nehmt und im Sinne einer (gewalt)freien Entfaltungsmöglichkeit der Kinder – Stellung beziehen könntet.

Aus diesem Grund bitten wir Euch, uns mitzuteilen, inwiefern das Thema “Bildungsfreiheit vs. Gewalt” (körperliche, seelische Gewaltanwendung und Manipulation) im “Netzwerk Bildungsfreiheit” diskutiert wird, und welche Positionen das “Netzwerk Bildungsfreiheit” – als öffentlich auftretendes Netzwerk – vertritt.

MfG

Mitglieder der unerzogen-Liste

¹ Ausgangspunkt der Diskussion war ein Vorfall, bei dem körperliche Gewaltanwendung im Vordergrund steht – jedoch wurde schnell klar, dass es nicht möglich ist, Gewalt zu gewichten (ob körperliche oder seelische – jede Form der Gewaltanwendung zielt darauf ab, einen anderen Menschen zu verletzen – und wird somit kategorisch abgelehnt.)

(Hier geht’s zur Resolution der unerzogen-Mailingliste)

Unerzogen Magazin