Unschooling Philosophie

Johanna, 07.10.2006

Unschoolig ist eine Philosophie, die sich auf Bildungs- und Erziehungsfragen erstreckt. Sie basiert auf den Arbeiten von John Holt.

Besser als ich es je erklären kann, hat es Joyce Fetteroll erklärt. Hier eine Übersetzung aus dem Englischen:

Anfänge

John Holt bemerkte und schrieb über natürliches Lernen in den 60ern. Er hat es natürlich nicht erfunden ;) Es ist schon immer da gewesen, aber er hatte die Fähigkeit, das zu sehen, was durch viel Nonsens über Lernen verborgen blieb. Während er anfangs über Schulreformen nachdachte, erkannte er später, dass Lernen ohne Entscheidungsfreiheit nicht stattfinden kann.

Frank Smith hat auch über Lernen geschrieben, obwohl er über Unschooling nicht Bescheid wusste :) Das Buch The Book of Learning and Forgetting ist kurz und sehr einfach zu lesen.

Unschooling-Prinzipien

Ich glaube, ich habe nie wirklich über die Unschooling-Philosophie nachgedacht, um sie aufzuschreiben. Eine Philosophie ist so was wie ein Prinzipienpaket. Und Prinzipien sind Ideen, die als wahr akzeptiert werden (hoffentlich weil jemand Erfahrungen gesammelt und viel über diese Ideen nachgedacht hat!)

Eins der Prinzipien von Unschooling ist, dass Menschen geborene Lerner sind. Dass Kinder am besten lernen werden, wenn sie die Freiheit haben zu entscheiden, was, wann und wie sie lernen wollen.

Das erklärt natürlich niemandem, was zu tun ist. Prinzipien helfen uns zu erwägen, welche Entscheidungen unsere Philosophie unterstützen und welche ihr widersprechen.

Manche Leute schauen sich die Unschooling-Prinzipien an und sehen sie als einschränkend, als würden sie einen davon abhalten, das zu tun, was das Beste ist, oder was man tun möchte, und stempeln sie als engstirnig ab. Aber wir haben alle uns leitende Prinzipien, die unsere Entscheidungen auf solche beschränken, die uns als richtig erscheinen. Wenn wir keine Prinzipien hätten, wäre es okay unseren Nachbarn zu erschiessen, nur weil er seine Tischsäge Samstag morgens um 6 benutzt! Wir schränken aber willentlich unsere Lösungsmöglichkeiten zu einem solchen Problem ein, weil wir erkannt haben, dass manche Lösungen unseren Prinzipien widersprechen würden (oder unseren Werten oder Sitten oder unsere Philosophie, oder uns im Weg zu unseren Lebenszielen stehen würden).

Das Unschooling-Prinzip, das manchen Probleme bereitet ist, dass die Lebensqualität (und Unschooling) verbessert wird, wenn Kinder mit dem selben Respekt behandelt werden, den wir anderen Menschen zollen.

Dies ist nicht ein Prinzip, das jeder einfach akzeptieren muss. Aber diejenigen von uns, die es leben, haben das Leben mit und ohne diesen Respekt durchgemacht und wissen um die wundervollen Veränderungen, die es mit sich bringen kann. Diejenigen, die nur traditionelle Erziehung erlebt haben, können nur Vermutungen anstellen, wie sich dieses Prinzip auf Kinder und Familie auswirkt, und wenn, dann lehnen sie das Prinzip ohne jegliche Erfahrung ab.

Ziele von Unschooling

Die Ziele von Unschooling sind anders als alle anderen Methoden der Erziehung. Das Ziel von Unschooling ist nicht Bildung. Es ist dem Kind zu helfen, der Mensch zu sein, der er ist und zu gedeihen als der Mensch, der es werden wird. Lernen passiert als Nebeneffekt.

Genauso wie manche Leute ein Beet anlegen, um Gemüse zu ziehen: Als Nebeneffekt kommen bestäubende Insekten, und dies ist sogar ein vitaler Teil des Prozesses, aber das Ziel des Anlegens eines Gemüsegartens ist nicht, Bestäuber anzuziehen.

Ziele anderer Bildungsformen

Das Ziel anderer Homeschooling-Methoden ist, dem Kind etwas zu geben, was den Eltern zusagt. Irgendwie sind formelle Bildungsmethoden wie diese coolen pädagogisch-wertvollen Spielsachen, die Eltern ihren Kindern zu ihrem Geburtstag schenken wollen. Was du mit einem Homeschooling-Curriculum kaufst ist eine Vorstellung von einem Kind, wie du es haben möchtest. Diese Vorstellung kann so etwas simples sein wie, dass es vorbereitet auf das ist, was immer es werden werden will. Und doch ist dies immer noch wie die Vorstellung, dass dein Kind mit dem Super-Deluxe Fischer-Technik Bauset spielt, dass du zum Geburtstag schenken willst. Aber was ist, wenn das Kind gar kein Interesse hat, mit dem Bauset zu spielen? Was ist, wenn das Kind eigentlich viel lieber eine Playstation will?

Bildung & Erziehung – ein Geschenk?

Ich glaube, viele Eltern sehen Bildung und Erziehung als ein Geschenk, dass sie ihren Kindern geben können. Aber was ist, wenn der Beschenkte gar nicht das Geschenk will? Wenn der Zweck des Schenkens der ist, das Bedürfnis des Schenkenden zu befriedigen, dass der Empfänger das Geschenk auch nutzt, ist es wirklich ein Geschenk? Wenn der Schenkende emotionalen Anteil hat an der Würdigung des Geschenks und der erbrachten Mühe bei der Beschaffung des Geschenks, ist es wirklich ein Geschenk?

Ich denke es wäre hilfreich für Eltern, die formelle Bildung wählen, diese ganz ehrlich zu betrachten. Trotz der Bilder von glücklichen Kindern, die die verschiedensten formellen Curricula verwenden, geht es hier nicht darum, ein Geschenk zu geben. Es geht darum, die Befürfnisse der Eltern zu befriedigen. Es geht darum, einen Mitmenschen gegen seinen Willen in eine Form zu pressen, in einen Menschen, der unseren Vorstellungen entspricht.

Das hört sich hart an, aber wäre es nicht gegen seinen Willen, würde das Kind selbst diesen Weg wählen. Wäre es nicht gegen der Kinder Willen, würde es nie Situationen geben, in denen ein Elternteil das Kind zwingt, etwas für das Curriculum zu tun, was das Kind nicht tun möchte. Es gäbe nie Situationen, in denen das Kind nicht sagen darf “Ich möchte das nicht weiter machen”.

Fazit

Bei Unschooling geht es darum, den Kindern die Freiheit zu geben, diejenigen zu sein, die sie sind. Bei formeller Bildung geht es darum, sie in etwas zu pressen, was wir als wertvoll erachten.

Quelle: The Unschooling Philosphy by Joyce Fetteroll. Mit Genehmigung übersetzt und veröffentlicht.

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