Was ist Nichterziehung?

Johanna, 07.10.2006

Das ist mein Begriff für das, was ich an Unschooling hier in Deutschland machen kann.

Während sich Unschooling sowohl auf Erziehungs- als auch auf Bildungsfragen erstreckt, muss ich in hier in Deutschland mein Kind in die Schule schicken. Trotzdem kann ich weitestgehend auf Kontrolle, Regeln, Bestrafungen, Bestechungen, Respektlosigkeit verzichten – und mich natürlich auch um Bildung außerhalb der Schule kümmern.

Nichterziehung bedeutet für mich:

  • meinem Kind zu helfen, das zu tun, was es tun möchte und das zu erreichen, was es erreichen möchte – egal wie “sinnlos” es für mich erscheint.
  • auf Regeln und traditionellen Erziehungsmethoden zu verzichten.
  • darauf zu vertrauen, dass mein Kind selbst weiß, was für es gut ist und seine Entscheidungen zu respektieren, auch wenn meine Entscheidungen für es anders aussehen würden.
  • so viel wie möglich zu Streuen, um ein breites Spektrum an Möglichkeiten zu bieten und den Horizont meines Kindes zu erweitern und Bildung nicht nur auf Schule zu beschränken
  • der Bildung in der Schule nicht so viel Gewicht zu geben und meiner Tochter nahe zu legen, dass alles lernen gleichwertig ist. Schule ist nur ein weiteres Medium, Wissen zu erlangen und kann nach ihrem Belieben ausgenutzt oder auch nicht werden.
  • GabS = Gewinn auf beiden Seiten zu erziehlen. Das bedeutet, die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst zu nehmen und Konsens zu erlangen. (Bsp: Mein Bedürfnis einkaufen zu gehen wird nicht höher bewertet als ihr “sinnloses” Bedürfnis, Fernzuschauen, sondern ist gleichwertig und genauso ernst zu nehmen).
  • für mein Kind immer da zu sein und ihm zu helfen in alle Belangen, egal wie viel “Mist” es baut. Dies bedeutet z.B., dass ich nicht extra einen Gegenstand im Flur liegen lassen, das beim nächsten Mal zertreten werden könnte, damit “sie sieht, dass wenn man Sachen liegen lässt, sie auch kaputt gehen können”, sondern dass ich es auch Mal weglege oder aus dem Weg schiebe, um ihr zu helfen.
  • Vorbild zu sein in Sachen Respekt, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, statt diese Werte zu erwarten und zu erzwingen (“Was sagt man da?”; “Sag danke!”; “Sag das noch Mal freundlich”...)

31 Kommentare zu “Was ist Nichterziehung?”

Diese Erziehungsmethode ist “Laisse faire” “Machen Lassen was es will” und nichts anderes.

Wenn es die “Antiautäre Erziehung” wie von O’Neill, Summerhill wäre, wärs OK – aber nicht so.

Frances

Liebe Frances,

Also: 1. der Mann heißt Neill, einfach Neill ohne O.

2. Er betrieb keine antiautoritäre Erziehung, sondern bezeichnete es selbst als selbstregulative Erziehung.Sein Buch bekam im Deutschen diesen irreführenden Namen. Er selbst hat sich von der antiautoritären Erziehung distanziert.

3. Mal abgesehen davon, dass das was Neill betrieb, keine antiautoritäre Erziehung ist, kannst du hier

http://kraetzae.de/erziehung/erziehen_ist_gemein/

nachlesen, warum antiautoritäre Erziehung und Nichterziehung nichts gemeinsam haben.

Ehrlich gesagt, finde ich es so viel besser als antiautoritär.

LG
Sabine

hallo frances,

ich kenne mich mit “laissez faire” nicht aus. “machen lassen was es will” klingt für mich gar nicht schlecht, wobei ich es für unschooling eher so formulieren würde:

das kind unterstützen zu tun was es tun will.

“machen lassen was es will” klingt so, als dürfe das kind sich über alle grenzen seiner mitmenschen hinwegsetzen und so ist unschooling/nichterziehung jedenfalls nicht gemeint. es geht um eine gleichberechtigte beziehung, in der die jeweiligen bedürfnisse und grenzen, der beteiligten von beiden beziehungspartnern geachtet werden.

antiautoritäre (nicht-)erziehung ala neill ist meiner meinung nach ziemlich identisch mit unschooling. eigentlich konnte ich bislang keinen unterschied entdecken…

herzlich
moca

@sabine

du schreibst ”...kannst du hier http://kraetzae.de/erziehung/erziehen_ist_gemein nachlesen, warum antiautoritäre Erziehung und Nichterziehung nichts gemeinsam haben.”

seit ich mich etwas mit antiautoritärer erziehung beschäftigt habe (willibald papesch sei dank) kann ich so eine aussage nicht mehr unwidersprochen stehen lassen. der begriff ist einfach schrott, weil total missverständlich. aber nur weil erziehung im begriff vorkommt, muss nicht erziehung drin stecken. diese erfahrung habe ich insbesondere bei der lektüre älterer schriften schon häufiger gemacht.

ich habe mir die von dir verlinkte kraetzae-seite (deren aussage ich sonst durchweg zustimme) nochmal daraufhin angesehen, wie die erklärung aussieht, dass ae und ne nichts gemein haben und fand einen einzigen satz dazu:

“Auch die sogenannte antiautoritäre Erziehung hält an dem Ziel fest, junge Menschen zu formen; sie sollen besonders autoritätskritisch werden.”

wenn es wirklich so gewesen wäre, dass alle oder der überwiegende teil, der an der sog. antiautoritären erziehungsbewegung beteiligten erwachsenen versucht hätten ihre kinder zur selbstbestimmung zu manipulieren, damit sie autoritätskritisch werden, dann würde die aussage stimmen. ..

saluti
moca

@sabine

also gut, wiedermal nicht gründlich gelesen. auf der verlinkten kraetzaeseite finden sich noch weitere sätze, die evt. erklären könnten, warum ae nichts mit ne gemein hat .. ;)

“Der Fehler der sogenannten antiautoritären Erziehung war es also, nicht nur die aggressiven Grenzen abzuschaffen, sondern auch die defensiven. Antiautoritär aufgewachsene Kinder waren es somit gewöhnt, auch defensive Grenzen nicht respektieren zu müssen, was zu Konflikten mit anderen Menschen führt. Vertreter der traditionellen Erziehung behaupten jetzt, daß der Versuch gescheitert sei, Kinder freier aufwachsen zu lassen. Antiautoritäre Erziehung ist aber nicht wegen antiautoritärem Verhalten gegenüber Kindern gescheitert, sondern wegen des Aufrechterhaltens der Idee, daß man Kinder erziehen muß.”

ich kann mir vorstellen, dass viele erwachsene verunsichert waren und – auch aufgrund der selbst erfahrenen erziehung – ihre eigenen defensiven grenzen gar nicht klar erkennen konnten. sicher war es auch schwierig, die defensiven grenzen zu verteidigen, ohne autoritär zu wirken, was ja verpönt war. ich denke das war ziemlich sicher eine schwäche in vielen erwachsenen-kind-beziehungen der damaligen zeit. diese schwierigkeit besteht allerdings heute auch noch häufig…aber ich denke, dass es in dieser “bewegung” viele erwachsene gab, die einen formungsanspruch ablehnten, junge menschen als eigenständige personen wahrnahmen und behandelten und der kompetenz der kinder vertrauten.

ich möchte dieser “bewegung” einfach nicht unrecht tun…

moca

[...] Das Projekt unverdient.de befasst sich vor allem mit der Perversität der Geldlogik und Auswegen daraus. Thema von unerzogen.de ist der respektvolle Umgang mit Kindern, insbesondere Nichterziehung. Beide Projekte befassen sich mit der Keimform-Thematik auf ganz unterschiedliche Weise — auch wenn beide diesen Begriff explizit nicht verwenden. [...]

So schöne Begriffe und theoretische Herangehensweisen. Vor 17 Jahren bei meinem ersten Kind und noch vor meinem 20. Lebensjahr habe ich mich mit vielen Theorien beschäftigt. Aber mit dem Arbeitsleben und Überleben habe ich viele Verhaltensmuster meiner eigenen Mutter übernommen. Immer wieder hinterfragt und abzulegen versucht und doch in Zeiten großer Unsicherheit, durch große finanzielle Nöte, die unsichere Liebe, überrumpelten mich die Vorgaben meiner eigenen Erziehung/ Nichterziehung.
Jetzt habe ich nochmal zwei Kleine und leben schon weit hinter den 30 Jahren. Alles ist lockerer, meine Mutter spielt gar keine Rolle mehr. Aber auch nicht die Theorien. Erziehungsbücher: nein danke! Endlose Diskussionen: will ich gar keine Zeit haben dafür.
Liebe, Vertrauen und eigenes Wohlbefinden sind für mich die Leiter meiner Handlungen mit und an meinen Kindern.
Meine Meinung ist, das Leben bietet mehr als das Zerkauen von theoretischen Ansätzen, ein Sandkuchen, ein selbstgebauter Drachen ist viel wertvoller, ...wenn sich alle daran erfreuen können.
Und Mut zu haben ist eine Pflicht für jeden, sowohl gegen das hochintellektuelle Gerede zu sein, als auch gegen die Ignoranz der anderen Lebensformen, die schon wieder in Intoleranz ausarten.
Ich sage dazu gern: die Diktatur der Intelligenz
Anders erzogene Kinder, anders erziehende Eltern sind die Grundbedingungen, um sich mit eigenen Ideen abgrenzen zu können. Die Energien die da verbraucht werden, können eingesetzt werden, um für alle etwas zu schaffen. Z.b. Spielplätze in ganz normalen Wohngebieten, Patenschaften mit ganz normalen Familien
herzliches Weiterdiskutieren

Herzlichen dank für diesen entspannten und lebenspraktischen Beitrag!
Bei manchen Kommentaren habe ich den Eindruck, Erziehung artet zur eigenen Ideologie aus. Wo bleibt unsere Individualität und das Vertrauen in ein gewisses Bauchgefühl; unseren ureigenen Verstand und auch unsere Bedürfnisse? Eltern, die Vertrauen haben in sich und sich vom Leben `getragen` fühlen wären schon mal ein wundervolles Beispiel für ihre Kinder. Erziehungskonzepte sind doch allenfalls eine Inspiration. Andernfalls tappen wir erneut in die Falle einer versteckten Obrigkeitshörigkeit, gerade in dem edlen Bestreben, es NICHT zu tun..

hach ja, schön und gut, kinder wissen in allgemeinen wozu sie lust haben, aber nicht unbedingt immer was gut für sie, ist…. ich finde man sollte ein gesundes maß finden….

erziehung ist ein dummes wort, deswegen gehört es abgeschafft, jeder begleitet sein kind anders…. wir sollten einander unterstützen anstatt andere meinungen immer anzuprangern…

bsp: nur weil meine tochter lust dazu hat , lasse ich sie nicht mit der klobürste spielen und darauf kauen, auch wenn ihr das unheimlichen spaß machen würde, und wahrscheinlich sogar schmecken.*lach ; in diesem falle merkt sie nämlich nicht dass es nicht gut für sie ist, und versteht einen dialog über die dämlichen bakterien von exkrementen nur schwerlich….

nunja dieses feld ist so weitläufig…. lasst uns lieber baden gehen bei der hitze

liebe frotzelige grüße

“Meine Meinung ist, das Leben bietet mehr als das Zerkauen von theoretischen Ansätzen, ein Sandkuchen, ein selbstgebauter Drachen ist viel wertvoller, ...wenn sich alle daran erfreuen können.
Und Mut zu haben ist eine Pflicht für jeden, sowohl gegen das hochintellektuelle Gerede zu sein, als auch gegen die Ignoranz der anderen Lebensformen, die schon wieder in Intoleranz ausarten.
Ich sage dazu gern: die Diktatur der Intelligenz”

Genau auf dem Punkt getroffen und noch dazu schön und “respektvoll” geschrieben. Hab mir schon die ganze Zeit überlegt wie ich das nun sagen soll ohne missverstanden zu werden (bin nicht so gut im Schreiben)... Naja, das zu verkunden bringt eh nichts, bleibt nur es selbst zu tun.

Grüße, Rafa

Liebe Rafa,

Du scheinst einen sehr positiven Eindruck der heutigen (deutschen?) Elternschaft zu haben – ich nicht (vielleicht sehe ich sie zu negativ?). Respektvollen Umgang mit Kindern findest du selbstverständlich – ich auch (eigentlich), aber die Realität zeigt mir eben anderes. Ich kann da nicht tatenlos zuschauen und möchte einen Beitrag leisten.

Bis vor dem Mutterschutz habe ich jobbedingt täglich Kontakt mit Eltern von Kindergarten- und Schulkindern gehabt, und sehe ganz und gar nicht, dass Respekt gegenüber Kindern irgendwie “normal” oder “in” oder für die meisten Eltern selbstverständlich wäre.

Heute erst war ich mit den beiden Kleinen im Wildpark und habe es wieder erlebt. Ein kleiner Junge dort, etwa 2,5, wollte in eine Pfütze springen (oder auch nur mit dem Fuß (in festen Schuhen) berühren) – die Mutter: “Nein – WEHE!” Wehe, sonst was? Drohungen sind an der Tagesordnung! Die Mutter braucht noch nicht Mal sagen, was “sonst” passiert, “irgendwas Schlimmes”, das ist dem Kind offenbar schon klar. Ich finde das nicht respektvoll.

Neulich im Kindergarten, wo ich eine Besprechung mit Eltern hatte – die Kindergartenleitern erzählte mir, die Erzieher müssten “nur den Raum betreten, dann ist schon Ruhe”. Für mich klingt es danach, dass die Kinder aus Angst lieber ruhig sind. Gemein! Dabei lachte sie sogar, sie fand das wohl “cool”, dass die Kinder bereits bei bestimmten Blickkontakt “parieren”. Ich habe ständig solche Erfahrungen, im Kindergarten, in der Schule, auf dem Spielplatz, in der Straßenbahn. Zugegeben, ich achte mehr auf solche und die respektvollen Szenen mögen mir vielleicht entgehen – kann gut sein! Ich bin auf das Thema sensibilisiert.

Es gibt aber auch viele Eltern, die es anders machen, und die respektvoll zu ihren Kindern sind. (Davon kenne ich auch viele!) Die ihre Kinder achten und sie ernst nehmen, wie du auch. Manche haben es einfach drauf und können unbekümmert mit ihren Kindern Drachen steigen lassen und ins Schwimmbad.

Andere haben aber selbst so schlimme Erlebnisse in der Kindheit gehabt, dass sie z.B. große Schwierigkeiten haben, anders zu handeln, selbst, wenn sie es wollen. Sie heben automatisch die Stimme, sie beschimpfen “automatisch” ihre Kinder, bereuen es danach. Manche sind mit den Erziehungsmethoden, die gerade “in” sind (Stiller Stuhl etc.) auch gescheitert und fühlen, dass das nicht der richtige Weg ist, wissen aber auch nicht, wie sie es und warum sie es anders machen könnten. Sie suchen Unterstützung. Für diese Eltern ist diese Webseite und die Mailingliste gedacht.

Auch für mich war das Zerkauen von theoretischen Ansätzen nun Mal wichtig - und vielen anderen Eltern ist es eben auch wichtig. Auch diese Eltern brauchen einen “Raum”, wo sie das tun können. Und irgendwann wird es auch nicht mehr so wichtig. Irgendwann hat man es kapiert und kann endlich unbekümmert Drachen steigen lassen und Sandkuchen bauen :) Es gibt sehr viele Eltern, die in der Mailingliste z.B. einige Monate sehr aktiv waren, und dann wieder nicht – sie zerkauen nicht immer und immer wieder was, sondern eben nur so lange, wie sie es brauchen, um ihre eigenen Erkenntnisse zu ziehen, die sie im Leben dahin weiter bringen, wo sie hin wollten. Danach stellen viele die Mailingliste wieder ab, oder lesen nur sporadisch mit oder nur, wenn sie eine bestimmte Frage haben. Oder sie helfen halt anderen, die gerade erst auf diese Ideen gestoßen sind.

Ich kann den Einwand durchaus verstehen, weil Zeit mit den Kindern logischerweise gut investiert ist. Aber wenn Zeit mit Kindern respektlos verbracht wird, dann ist es für diese Eltern, die ja auch freiwillig hierher kommen, um theoretische Ansätze zu “zerkauen”, und für deren Kinder viel besser, wenn sie sich erst Mal – wenn auch zunächst nur theoretisch – mit dem Umgang auseinander setzen, den sie ihren Kindern zumuten. Ich wehre mich also ein bisschen dagegen, dass darüber zu schreiben als “Zerkauen” abgetan wird. Für viele ist es sehr wichtig und interessant – für andere ist es selbstverständlich, z.B. für dich! Und das bewundere ich :) Das “Zerkauen” klingt, als würde man wie eine Kuh immer und immer wieder nur über das selbe reden und nicht weiter kommen. So ist es aber nicht, es geht für alle weiter :)

Ich hoffe, ich konnte ein bisschen verständlicher machen, warum der “Zerkauen” für viele doch wichtig ist. Manche, die es schon können und wissen, widmen ihre Freizeit ja auch nicht ausschließlich den Kindern, sondern haben z.B. andere Hobbys – vielleicht Geige spielen oder Inlineskaten – oder sie setzen sich ein für eine bessere Welt durch Mitarbeit in einer Partei, Organisation oder einem Verein. Und da ich finde, dass in Sachen Respektvoller Umgang mit Kindern noch viel zu tun ist, viel zu viele Kinder täglich erniedrigt werden, nutze ich gerne meine freie Zeit, die ich dann neben der Zeit für die Kinder noch habe, um andern Eltern zu helfen oder zu informieren, die Hilfe oder Information möchten :)

Und außerdem: Theoretische Ansätze zu überdenken, alte Muster zu hinterfragen, herum philosophieren, mit anderen diskutieren – das schließt Sandkuchen bauen, Spielplatz und Drachensteigen lassen zum Glück nicht aus. Man kann beides machen :)

Genau und was ich schon immer sagen will ist das wenn man sich selbst zwingen muss etwas natürliches zu tun, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, sollte man wenn man die Zeit findet, das Problem gründlich lösen und zwar bei sich selbst im inneren, nicht in der Art der Erziehung.
Auch nicht in die Art der Erziehung die deine Eltern gewählt haben, denn so suchst du nur nach einem Schuldigen und wirst das Problem nicht los….
Ich glaube wir sind uns einig, dass das Problem eher Psychischer Art ist…..

Ich schreibe später noch was dazu… hab grad nicht so viel zeit

...Ich will nicht sagen du wärst “bloß verrückt” oder so gell? du weißt, dass ich es selbst bin…...

lol – nein, ich verstehe schon :)

Und genau, da sind wir uns offenbar einig – es geht dabei um uns selbst! Allerdings denke ich schon, dass ein Schritt dahin, es gründlich aufzuräumen darin besteht, z.B. über die eigene Erziehung nachzudenken, ebenso über andere Vorgänge in der eigenen Sozialisation (Lehrer, Schule, Erlebnisse, andere Einflüsse…). Kann sein, dass man dann eine Weile die Lehrer, Eltern oder sonst wen tatsächlich “beschuldigt”, aber das ist meist nur eine Phase. Bei unerzogen geht es ja gerade darum, die Verantwortung da zu lassen, wo sie hingehört: bei jedem selbst. Das habe ich auch erkannt (weißt du noch?), ich sehe keine “Schuldigen” mehr und niemand muss sich wegen mir/für mich verändern, wie ich das früher dachte. Wenn, dann muss die Veränderung bei mir selbst sein.

Ebenso ist es für viele wichtig, einigermaßen eine Vorstellung zu haben, wie ein respektvoller Umgang tatsächlich praktisch aussieht – daher ist eine Beschäftigung mit der Praxis auch relevant.

Aber im Grunde, da hast du Recht, im Grunde geht es um unser Inneres, schließlich ist ein gleichberechtigter Umgang auch nichts was man “tut” – er drückt sich einfach in der Haltung aus, die man anderen Menschen gegenüber hat. Parallel mit der Beschäftigung mit sich selbst (und genau das tun die ganzen Leute, die auf unerzogen stoßen und sich z.B. in der Mailingliste, auf den Stammtischen oder privat austauschen und durch Lesen von Büchern über das Thema) ist es aber für viele auch wichtig, über die Praxis zu reden.

Oft sind wir so blockiert, über den Tellerrand hinaus zu schauen, weil wir einfach nichts anderes kennen. Man mag dann schon so weit sein, und z.B. erkannt haben, dass jedes Kind ein individuelles Schlafbedürfnis hat und dass man das respektieren mag – aber wie sieht das dann auch praktisch aus? Wie kommt man dann trotzdem zur abendlichen Ruhe? oder so.

Weißt du wie ich meine? Daher ist unerzogen eine Plattform sowohl für theoretischen Austausch, als auch für den Austasch über die Praxis. Die Beschäftigung mit sich selbst, da kommt dann irgendwann jeder drauf – die erfolgt dann mit Freunden, in der Mailingliste (wenn man niemanden hat) oder eben allein oder mit Psychologen oder sonst wie, wie es halt jeder braucht und gerne hat.

Wenn du die Mailingliste näher kennen würdest, dann würdest du zwar auch viel theoretisches und viel über Praxis lesen, aber würdest auch sehen, wie es sehr häufig darum geht, wie Leute mit sich selbst hadern, wie Leute über ihre Wege erzählen, wie sie es geschafft haben, diesen “natürlichen” Umgang wieder zu finden etc. (dann berichten manche von Therapien, manche von anderen Wegen, manche sogar davon, dass sie es durch den Austausch in der Liste oder auf den unerzogen Treffen geschafft haben). Das Verhältnis ist wie ich finde ziemlich ausgewogen: Es gibt Leute, die eigentlich keine “Hilfe” mehr brauchen, und fast ausschließlich nur noch da sind und anderen helfen, ungefähr genauso viele kommen eher mit Fragen (sei es theoretischer oder praktischer Natur). Die meisten hören nach einer Weile intensiven Austauschs auf, und es kommen immer wieder Neue hinzu… jetzt ist es irgendwie “statistisch” geworden. Ich wollte dir nur bestätigen (und beweisen?), dass es genauso ist, wie du es sagst :) Wie gesagt, ich glaube wir meinen das Selbe :) Keiner, der zu einem natürlicherem, eigentlich selbstverständlichen Umgang gelangen will, kann sich einer intensiven Beschäftigung mit sich selbst entziehen!

Gut, dass du mich verstehst :)

Das Ding ist, dass man auch da durch viel Zeit und kraft verliert. Warum sich Gedanken darüber machen wie man das jetzt am natürlichsten machen sollte, wenn das auch so geht. Natürlichkeit hat immer was mit Spontanität zu tun. Ich hab persönlich nichts dagegen, wenn man sich hier und da Tipps holt, wie man etwas machen könnte, damit es für sich für alle gut anfühlt. Ich finde aber, dass wenn man sich einen besonders guten Umgang als großes Ziel vornimmt, die Spontanität darunter leidet und man u.u. hinterher frustriert ist, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie man sich das vorgenommen hat. Es kann auch ganz nach hinten losgehen und das ist das Problem, was ich darin sehe…
Ich glaube, dass jeder der das will auch dazu fähig ist, spontan mit Menschen respektvoll umzugehen, ganz egal was man selbst für (Kindheits)erfahrungen gemacht hat.

Was ich sagen will ist, dass wenn man spontan mit Kindern scheiße umgeht, dann hat man ein Problem und der wird sich nicht lösen indem man sich für die “Rechte der Kinder” einsetzt, wenn dann bloß für eine Weile das schlechte Gewissen, die Unsicherheit…

Man macht keinen Fehler, wenn man sich diese eingesteht und sich die erlaubt zu machen-
Das hilft auch um die Fehler der eigenen Eltern nicht persönlich zu nehmen und sie zu akzeptieren als das was sie sind: nur Fehler. Das funktioniert übrigens auch umgekehrt.

Ich glaube man muss aufhören, sich so hohe Ziele zu setzen. Die Erwartung, dass alles immer in Ordnung ist und die Kinder sich immer wohl fühlen ist ein unerreichbares Ziel. Diese Erwartung kann das Kind auch nicht gerecht werden… Menschen sind böse, Menschen haben einen Drang zur Destruktion. Es wird nie so sein, nicht mal in der Familie, dass alle sich immer gut mit einander verstehen…
Und da komme ich zu einen anderen Punkt was mir an der Sache stört und schon immer sagen wollte und zwar, dass man sich auch nicht den Geschichtsverlauf entziehen kann.
Im Laufe der Geschichte haben sich viele Menschen darüber Gedanken gemacht wie man die Welt zu einer besseren machen kann und das nicht nur einmal in der Geschichte und nicht nur im Bereich der Erziehung.
Zu einem besseren Verständnis der sozusagen Gesamtsituation sollte man sich meiner Meinung nach schon mit der Geschichte der Menschheit, Politik und mit der Entstehung, Verlauf und Untergang der Utopien auseinandersetzen. Zumindest bevor man sich ernsthaft für die Rechte der Kinder einsetzen möchte.

“Ich glaube, dass jeder der das will auch dazu fähig ist, spontan mit Menschen respektvoll umzugehen, ganz egal was man selbst für (Kindheits)erfahrungen gemacht hat.”

Ich sage das, weil ich das an mir selbst merke. Man hat auch einen natürlichen Drang es besser zu machen, die eigenen schlechten Erfahrungen nicht an das eigene Kind weiter zu geben und wiederum die Sachen, die man als Kind genossen hat versuchen zu erhalten. So entwickelt sich die Gesellschaft. So funktioniert die ganze Natur, so funktioniert seit Millionen von Jahren die ganze Evolution.
Voraussetzung dafür ist, dass man mit den eigenen schlechtem Kindheitserfahrungen frieden schließt. Normalerweise macht man das, wenn man Erwachsen wird. Darum gehts ja auch beim erwachsen werden, sich von den Eltern abzulösen. Wenn man das noch nicht mit 30 gemacht hat, bin ich mir nicht sicher, ob allein der Austausch mit anderen ausreicht um das zu erreichen.

Da sind wir an einem Punkt angelangt, wo unsere Meinungen auseinander gehen (was natürlich nicht schlimm ist). Ich finde definitiv nicht, das Menschen böse sind und einen Drang zur Destruktion haben, ganz und gar nicht, im Gegenteil (auch wenn die Geschichte diesen Anschein macht). Auch die Wissenschaft ist dabei, meine Ansicht zu bestätigen: Menschen sind nicht destruktiv, sondern eher altruistisch veranlagt – und das ist meine Meinung. Ich sehe das auch an meinen Kindern bestätigt. Wenn Menschen “böse” sind, sich “asozial” verhalten, dann haben sie Gründe dafür (ich würde sagen, wenn jemand böse geboren ist, dann hat er einfach einen Drang, Böses zu tun, ohne Grund, eben außer, dass er “böse” ist). Wenn man diese Gründe näher betrachtet, sieht man wieder, dass sie von Grund auf gut sind und dass das “Böse” nicht ausgetrieben werden muss, sondern die Gründe dafür gesucht und gelöst werden müssen. Auf diesem Menschenbild basiert die “Antipädagogik”. Natürlich darf jeder sein eigenes Welt- und Menschenbild haben – anscheinend gehen da unsere Meinungen auseinander.

Wo wir wieder übereinstimmen: In der Familie wird es selbstverständlich immer Reibungspunkte geben. Es geht nicht darum, keine zu haben. (Es geht auch nicht darum, die Welt so zu verändern, dass es paradiesische Umstände gibt und nie wieder Probleme/Krieg/Konflikte, das finde ich zumindest aus heutiger Sicht auch utopisch. Aber es spricht nichts dagegen, dazu beizutragen, dass es ein bisschen besser wird, vor allem für die Kinder – von mir aus nur für ganz wenige Kinder. Jedes Kind, dem es besser geht, ist ein Gewinn für die Gesellschaft). Es geht darum, wie man mit den Problemen umgeht (eben ob man hierarchisch Dinge bestimmt, die für alle gelten sollen, oder gleichberechtigt gemeinsam nach Lösungen für die verschiedenen Probleme sucht). Gerade in Konfliktsituationen äußert es sich ja, ob man nun respektvoll oder respektlos ist, ob man andere achtet, oder nicht, ob man sich gleichberechtigt auf die gleiche Ebene stellt, oder ob man sich über andere stellt etc.!

Was die Auseinandersetzung mit der Geschichte, Politik usw. angeht, magst du Recht haben, dass es nützlich sein kann. Vor allem, wenn man breitflächig was verändern will (was ich gerne würde. Ich werde darüber nachdenken, ob die Auseinandersetzung mit diesen Themen tatsächlich relevant ist oder nicht – danke für diesen Hinweis).

Auf der anderen Seite sagst du aber, dass so ein respektvoller Umgang etwas ganz Natürliches und Selbstverständliches ist. Darauf kann man auch kommen, wenn man sich nicht mit Politik usw. beschäftigt (du plädierst sogar dafür, sich nur ganz wenig oder gar nicht mit irgendwas auseinander zu setzen, sondern in sich hinein zu fühlen und aus dem Bauch, spontan zu handeln, dann sei ein respektvoller Umgang automatisch). Insofern finde ich, dass ich mich auch so schon “ernsthaft” für die Rechte der Kinder einsetze(n kann), wenn ich lediglich mitreflektiere, wenn es um Theorie und Praxis geht.

Das mit der Spontaneität, das hatten wir zwar schon Mal per Skype diskutiert und da waren wir uns auch einig, aber ich erwähne es hier Mal der Vollständigkeithalber (vielleicht interessiert es andere, die mitlesen): Wenn man der Meinung ist, dass der Mensch “böse” geboren wird (ich hab jetzt nicht rauslesen können, ob du meinst, dass man böse geboren wird oder erst böse wird, aber ich meine jetzt hier nur theoretisch, wenn irgendjemand meint, dass der Mensch böse auf die Welt kommt), dann ist man wahrscheinlich auch der Meinung, dass man Kinder unbedingt erziehen sollte, damit sie einigermaßen soziale Wesen werden. Wenn man davon ausgeht, dass Menschen als gute Wesen auf die Welt kommen, dann ist es viel einfacher, “spontan” aus dem Bauch heraus respektvoll zu handeln. Mit Respekt meine ich hier, dass man sich nicht über den anderen stellt (das würde man tun, wenn man meint, der andere sei böse und man müsste ihn verändern, weil man selbst bereits nicht mehr so böse ist).

Von daher ist es mit der Spontaneität so eine Sache. Die kann respektlos oder respektvoll aussehen, und aus der anderen, Menschen-werden-böse-geboren-Perspektive ist es genau andersrum: es ist respektlos, Kinder nicht zu erziehen, weil man sie dann der Gesellschaft ausliefert, es ist respektVOLL, sie zu sozialen Wesen zu erziehen.

Und da sind die Meinungen einfach total unterschiedlich. Manche denken eben so, manche so. Man kann nicht davon ausgehen, dass alle Menschen sowieso denken, dass Menschen gut geboren werden, und man sie deshalb sowieso ganz leicht respektvoll behandeln kann; man kann nicht davon ausgehen, dass für jeden “Respekt gegenüber Kindern” gleich aussieht (z.B. ich finde Schule äußerst respektlos – andere fänden es respektlos gegenüber Kinder, Kinder nicht in die Schule zu zwingen).

Insofern geht es bei der Reflektion, ob “Gleichberechtigung mit Kindern” sinnvoll ist oder nicht, ob Respekt eine einfache, natürliche Sache ist, oder nicht, immer auch um eine Reflektion darüber, von was für einem Menschenbild man eigentlich ausgeht. Und in diesem Fall kann man sich auch auf sein “Gefühl” verlassen, oder man kann wissenschafltichen Studien glauben schenken, oder man kann sich die Geschichte der Menschheit anschauen, oder man kann philosophisch an die Sache herangehen etc. Und dann kann es durchaus sein, dass man das Thema Mal ne Weile “zerkaut” ;)

Ich glaube, dass diejenigen, die es aus dem Bauch heraus können – also Kinder respektvoll zu behandeln –, es sich einfach nicht vorstellen können, wie es ist, wenn man es nicht aus dem Bauch heraus kann. Ich höre deinen Einwand oft, deswegen habe ich diesen Eindruck.

Aber wenn man es nicht aus dem Bauch heraus kann, dann ist es ein enormer Prozess, wenn man dahin will! Dann muss man ganz schön reflektieren und sich mit allem möglichen auseinander setzen. Man muss eben an sich selbst arbeiten, man muss alte Denkweisen überdenken und ggf. verändern – z.B. ob der Mensch gut oder böse geboren wird und sehr viel mehr. Es ist einfach nicht so einfach!

Und ja, die Spontaneität geht (zunächst) flöten!!! Da gebe ich dir völlig Recht. Ich kann in manchen Dingen noch nicht spontan handeln und überlege halt erst Mal. Aber das ist es mir einfach wert. Wenn ich die Wahl habe zwischen spontan aber vielleicht respektlos zu handeln habe, oder nicht spontan, dafür respektvoll, dann ziehe ich den Verlust der Spontaneität vor. Und ich schaffe es ja auch nicht immer – es gibt immer wieder Situationen, in denen ich ganz spontan bin und das kann auch Mal respektlos aussehen – ich bin nicht perfekt :)

Dafür habe ich in anderen Bereichen bereits so viel reflektiert und mich hinterfragt und verändert, dass ich meine Spontaneität auch wieder gewonnen habe. Mittlerweile kann ich kann ich auch in vielen Fällen ganz spontan respektvoll sein :) Z.B. was den Umgang mit Babys angeht, da kann ich ganz spontan aus dem Bauch heraus ein weinendes Baby einfach in den Arm nehmen – während ich es früher hätte weinen lassen. Die Spontaneität geht nicht für immer verloren :) Zum Glück, sonst wär’s echt eine hohe Investition!

ich habe nicht gesagt, dass der Mensch “böse” geboren wird. Ich habe gesagt das der Mensch böse Seiten hat, die er erlangt so und so (auch wenn er unerzogen wird ;) ) Auch das ist eine alte Erkenntniss…. Und ich habe gesagt, dass man in der Praxis sich auf sein Bauchgefühl verlassen kann und wenn man nicht weiter weiß fragen kann, wie man konkret etwas tun um es auszuprobieren. Wenn man darüber Philosophieren will ist es mehr als hilfreich, sich mit den Erkenntnissen der alten Philosophen die sich untereinander auch ausgetauscht haben und die immerhin die Menschheit in den heutigen Stand gebracht haben.

...auseinandersetzen… Ich glaube einfach nicht, dass ein Mensch so innerlich zerstört sein kann. dass er seine eigenen Kinder nicht gerecht behandeln kann ohne sich den Kopf darüber zu zerbrechen.

Jetzt gehe ich mal ganz spontan zu bett, denn morgen ist früh aufstehen angesagt. Ich wünsch dir einen schönen abend noch. Morgen lese ich was du vielleicht geschrieben hast.

Beso. Rafa

Man kann sich keine wirklich eigene Meinung über hochintellektuelle Dige machen wie z.B. Erziehung (es ist nun mal ein schwieriges Thema, wo die Meinungen seit eh und je auseinander gehen) ohne dass man auf ein bisschen Hintergrundwissen zurückgreifen muss. Ich bin dennoch mit dir einverstanden, dass man sich auch so Gedanken machen kann und dass man ohne viel zu lesen ein breites Spektrum Wissen aus Erfahrung besitzt. Es ist überhaupt nicht schlecht seine Erfahrungen mitzuteilen und mit anderen auszutauschen. Nur, wenn man anderen auf Theoretischer Weise beraten will ist das eine ganz andere Sache.
Ich will mich von dir nicht abheben, ich hab in meinem Leben relativ wenig lesen und zumindest die Geschichte, die man in der Schule lernt hat mich so gut wie gar nicht interessiert.
Man kann natürlich auf andere Wege sein Wissen sammeln und vor allem selbst überdenken um sich eine wirklich eigene Meinung zu bilden. Kritisch mit jeder Behauptung zu sein ist wichtig. Auf sein Gefühl zu achten auch in der Theorie ist auch nichts verkehrtes. Nur ganz ohne Fakten geht es nicht. Die Geschichte zu ignorieren macht dir nicht nur die Sache noch schwieriger, du wirst auch von vielen Leuten einfach nicht erst genommen und das sehe ich und das tut mir leid. Nein, ich hab kein mitleid oder so, will dir nur helfen dein Ding besser zu machen.

Irgendwo auf dieser Seite steht zum Beispiel dass Babys von Müttern gezwungen werden etwas zu lernen. Das stimmt so nicht… Bis zu einem gewissen Alter kann man Babys überhaupt nichts “beibringen”...
Einerseits verfügen Babys von Natur aus ein Instinkt, der ihnen ermöglicht sich auf die Lebensumstände einzupassen, andererseits ist es so, dass alles was Babys lernen (motorische und mentale Fähigkeiten) genetisch bedingt ist und dass man darein gar nicht eingreifen kann, auch wenn man es wollte….

Ich hoffe du verstehst was ich sagen will und drehst nicht schon wieder die Wörter um…. ;)

ok der Artikel meint das selbe wie ich, hab den nicht vollständig gelesen gehabt. Dennoch finde ich manches übertrieben… und in der Praxis gar nicht machtbar.

Ich weiß warum du nicht spontan handeln kannst: weil du es versuchst.

Hallo,

kleines Mißverständnis:
Ich habe weder gesagt, dass ich nicht spontan handeln könnte, noch, dass ich es versuchen würde. Zu versuchen, spontan zu handeln, wäre ja auch seltsam, oder? Das wäre ja dann auch gar nicht mehr spontan.

Ich habe gesagt, dass man Spontaneität einbüßt, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie man etwas handhaben möchte. Und dass die Spontaneität auch wieder kommt. Ich habe keine Probleme mit Spontaneität. Ich büße auch gerne etwas davon ein, wenn ich dafür respektvoller mit meinen Kindern umgehen kann.

Kannst du mir die Quelle raussuchen, wo das hier auf unerzogen.de mit den Babys steht? Ich weiß gerade nicht, worauf du dich beziehst. Ohne darauf Bezug nehmen zu können, liegt wahrscheinlich auch da ein Mißverständnis vor: Ich stimme mit dir überein, dass man Babys nichts beibringen sollte/braucht. Ob man es “kann”, weiß ich nicht – aber dass es versucht wird, das stimmt auf jeden Fall (siehe “ferbern”, da soll den Babys beigebracht werden zu schlafen). Ich schätze, der Text, den du meinst, der meint das: dass es versucht wird, Babys/Kinder zu zwingen, irgendwas zu lernen. Ich bin dagegen; wenn ich richtig verstanden habe, du auch bzw. du meinst, dass es eh nicht geht. Ich bin mir wie gesagt unsicher, einerseits würde ich auch sagen, man “kann” es nicht, auf der anderen Seite lernen sie ja schon Dinge daraus, wenn es z.B. schreien gelassen wird. Es lernt vielleicht nicht das, was die Eltern wollten, dass es lernt, aber es lernt was anderes.

Grüße
Johanna

“Zu versuchen, spontan zu handeln, wäre ja auch seltsam, oder? Das wäre ja dann auch gar nicht mehr spontan.”

Lol, das meine ich ja…
Du hast aber gesagt, dass du mit deinen Kindern nicht spielen kannst obwohl du das möchtest. Darum dachte ich, es hat was mit dem ‘Versuchen’.
Schön dass es besser klappt, freut mich wirklich. Es geht mich aber eigentlich so gesehen nichts an.

Zum Babys zwingen: genau das wird immer weniger gemacht, nicht öfter. Wenn man drüber nachdenkt wie unsere Großeltern mit Kindern umgegangen sind könnte man denken, dass das gemein war. Sie wussten es aber nicht besser und sie konnten es nicht anders. Genau so unsere Eltern, sie mussten teilweise arbeiten um uns zu ernähren. In Zeiten der Harz4 ist es doch klar, dass wir viel liebevoller mit dem Babys umgehen können, weil wir vieeel mehr Zeit haben.
Was ist mit dem Leuten, die heute noch ganz normal arbeiten gehen. Soll eine Arbeiterfamilie lieber keine Kinder bekommen? Ich finde es auch ungerecht gegenüber den Leuten, die keine gute Bildung genossen haben. Woher sollen sie gewusst haben, dass es nicht gut ist, wenn sie die Babys in den Türhopser setzen? (zumal die Babys ab einer gewissen alter sich unbedingt hinsetzen möchten bevor sie das ganz eigenständig tun. Glaub mir, es ist sehr schwierig nicht nachzugeben und sie immer wieder in der Liegeposition halten) Und wenn man sie aufklären möchte, dann bitte ohne den Vorwurf, deren Kinder ungerecht zu behandeln, weil ich glaub kein Mensch möchte seinen Kindern schaden, es sei den, er ist total beieinander.

Also auf einer Seite vertraust du an alle neue Studien, ganz egal wer sie ausgewertet hat, wenn es um Babys geht, auf der anderen hinterfragst du, ob es denn wirklich nun so sei, dass fersehen den menschlichen Geist (also auch den der Erwachsenen) verarmen kann, obwohl das schon ewig und bis heute auf der Hand liegt. Nein, man wird nicht sofort dumm und phantasielos, ich finde auch nicht, dass man das verbieten sollte, nur fernsehn braucht man wirklich nicht und ich glaub wir sind einer Meinung, wenn ich sag, dass das meiste, was in fernsehn kommt, größte kommerzielle scheiße ist, auf das man selbst und die Kinder gut verzichten können.

Also, ich könnte auch so argumentieren: Hat der Türhopser deinem Baby damals geschadet? Ist es wirklich so, dass das Kind Rückenprobleme bekommt?

Oft basieren deine Gegenargumente auf eine bloße und, wie soll ich sagen, einseitige, bedürftige Rhetorik.
Das Wissen, was dahinter steckt beruht auf deine ganz eigene Erfahrung, also auf einen Einzelfall (und vielleicht die von deinen Freunden) Das reicht aber nicht um mit Fakten argumentieren zu können und um große Thesen aufzustellen.

Wenn man der Statistiken nicht vertraut, sollte man selbst welche fälschen ;) Und das meine ich mit sich “ernsthaft” mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich kann auch im Internet rumstöbern und dann einen “Artikel” schreiben, der bloß noch mehr Aufsehen erregt und niemanden, es sei den die Person ist schon aufgeklärt, weiterbringt…

Du meinst, dass diese Seite nur für Leute ist, die eine ähnliche Situation wie du durchmachen. Warum ist dann überhaupt diese Seite öffentlich. Ich kann mir mein Teil denken, aber es wäre gut (natürlich nur wenn du willst :D ) wenn du darüber nachdenkst…

Du bist dafür gemacht Mutter zu sein. Du hast absolut alle Vorrausetzungen dafür. Mach einfach nicht besonderes. All is full of love…you’ll be given love, you’ll be taken care of you have to trust it. Maybe not from the sources you have poured yours. Maybe not from the directions you are staring at. Trust your head around ….it’s all around you…

Es gibt zwischen Menschen DRUCK- und SOGwirkungen.
In der Du-musst-Schule, in die wir alle gehen MÜSSEN (und die wir schwänken KÖNNEN), wird umso mehr DRUCK gemacht, je mehr man erZIEHen möchte. Man möchte nicht glauben, dass man so dumm sein kann, ein Leben lang Druck und Sog zu verwechseln, aber ALLE machen diesen Unsinn mit – egal ob sie dabei dafür oder dagegen sind. Korrekterweise dürfte man gar nicht von ErZIEHung sprechen, es ist ERDRÜCKUNG. Und es ist auch ganz verständlich, dass man das ändern möchte. Der erste, notwendige schritt für guten Erfolg bei Änderungen ist, dass man sich klar wird, um was es geht. In unserer Du-musst-Schule werden in all den vielen, teils zerstrittenen Lager meist die verkehrten Probleme gelöst.
In der neuen Ich-kann-Schule ist Druck kein Erziehungsmittel. Sehr sorgfältig achtet die IKS auf alles, was ZIEHT. Wenn die Sonnescheint, ZIEHT es uns doch auch aus dem Haus. Nein, es geht nicht darum, die üblichen päd. Erpressungsversuche durch ein gezerre abzulösen. Es geht darum, auf die feinen, existenziellen Sogkräfte zu achten, sie zu pflegen und zu stärken und sie zu lenken. Da dies FEINE Kräfte sind, kann es nur umeinen FEINEN Umgang mitFEINEN Kräften gehen. Die plumpen, groben Aktionen können naturgemäß keine Tiefenwirkung entfalten. Es hilft nichts, viel Kraft zu haben, wenn man sie nicht einsetzen kann.
Wenn ich auf das was ZIEHT, nicht achte, dann macht es mit mir, was es will. Und wenn ich, der ich der CHEF dieser Kräfte IN MIR bin, mich nicht um sie kümmere,dann hören sie eben auf alle anderen Einflüsse. es liegt an mir. Entweder gestalte ich oder ich werde gestaltet, ein Nichts gibt es nicht. Deshalb stärkt die IKS das ICH-KANN und gibt ihm Aufträge und schließlich Anerkennung.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

Ich würde gerne mehr dazu erfahren, wie das praktisch funktioniert. Als neue Mutter (erstes Kind 20 Monate) habe ich noch keine Erfahrung mit den alltäglichen Konflikten, aber natürlich vage Vorstellungen von der autoritiven Erziehung und erlebe sie teilweise schon bei anderen Babymüttern. Da werden dann unter 1jährige mit dem Zeigefinger und nein nein von Steckdosen abgehalten usw. (Ich versuche es mit Steckdosensicherungen und das Interesse daran hat auch schon nachgelassen.) Die KRÄTZÄ Seite und den Grundsatztext habe ich mir angesehen und verstehe das soweit auch. Ich kann es mir nur nicht praktisch vorstellen. Wenn also jemand einen konkreten Literuthinweis oä. hat, her damit.

Viele Grüße
Anna

Ich kann sehr Wolfgang Bergman empfehlen.Ein renomierter Kinder psychologe ,leider vor glaube ich 2 Jahren verstorben.Gibb sein Namen bei You Tube an,es lohnt sich .Viele bücher und Hörbüche findet mann dann bei Amazon.(Z.B.”Du sollst glücklich sein mein Kind).
Habe gaaanz viel gelernt.l.G. Petra Busch

Hallo ich bin letztens auf diese Seite gestoßen, auch wenn Sie nicht mehr ganz aktuell ist, hoffe ich dennoch auf eine Antwort ;)

Ich finde die Idee an sich super, auch wenn ich lieber nach meinem Bauchgefühl “erziehe”. Ich komme aus der Entwicklungspsychologie und es gibt tatsächlich Studien darüber, dass intuitive Erziehung oftmals die besten Folgen nach sich zieht. Ich finde es wichtig immer situationsabhängig und auch von Kind abhängig zu reagieren und schwierig eine Standardanleitung zu verfassen, egal auf welchem Konzept diese nun beruht.

Na klar, Respekt und Gleichberechtigung sind dabei Voraussetzung, aber ich frage mich, wie dieses Konzept im Alltag IMMER machbar sein soll?

Ganz konkret:
Ich war gestern nachdem ich die zwei großen Jungs (4jährige Zwillinge) vom Kindergarten abholte mit ihnen und den kleinen Schwestern (2jährige Zwillinge) noch auf dem Spielplatz. Wir hatten genug zu Essen dabei, die Großen konnten in den Busch gehen, als sie mal mussten,... Dennoch wollte irgendwann natürlich eines der großen und eines der Kleinen nach Hause. Die anderen beiden wollten aber da bleiben. Es hatte gestern auch niemand aus dem Verwandtenkreis Zeit mitzukommen, so dass man sich hätte aufteilen können. Was mache in dann einer solchen Situation? Den Großen kann man das natürlich erklären und sie verstehen es auch, dass die anderen z.B. Hunger haben oder einfach keine Lust mehr. Aber die beiden Kleinen verstehen das noch nicht und gerade in dem Alter in dem sie jetzt sind empfinde ich es wichtig, ihnen Grenzen aufzuzeigen. Wir machen dann immer einen Kompromiss: Noch einmal schaukeln/rutschen/... und dann gehen wir nach Hause. Aber wenn sie dann gerade Lust haben am Grenzen testen, dann wllen sie nochmal und nochmal. Bei nur einem Kind wäre das ja kein Problem, irgendwann wird es schon müde, aber wenn dann zwei Kinder immer nochmal rutschen wollen und die anderen beiden schon quengeln und nach Hause wollen, was mache ich dann?

Genauso, wenn eines der Kinder abends im Bett noch nicht müde ist und die anderen wach hält, aber auch nicht freiwillig raus gehen möchte. Darf ich es dann “zwingen” raus zu gehen, damit die anderen drei schlafen können, oder müssen die dann darunter leiden?

Ich denke in diesen und auch in anderen Fällen ist es mit mehreren Kindern manchmal nicht praktizierbar. Bei einem Kind ist das was ganz anderes. Dann bleibt es halt mal ein paar Abende länger wach, bis es dunkel ist auf dem Spielplatz, oder geht ohne was zu essen ins Bett um es dann mitten in der Nacht nochmal nachzuholen, aber sobald unter dem Verhalten die Geschwister leiden muss man doch als Eltern eingreifen. Und wenn es bei den jüngeren eben durch diskutieren und zureden nicht funktioniert, was natürlich immer als erstes versucht werden muss, dann muss es halt auch mal klare Ansagen erhalten. Diese sind, wenn sie einem angemessen Maße erbracht werden, eben nicht schädlich.

Die schädlichen Wirkungen von Erziehungen gehen eher auf extreme zurück. (Geschlagen oder angeschrien zu werden, nicht respektiert oder ernst genommen zu werden) Ich kann dir aber auch viele konkrete Fälle aus meinem Umfeld nennen, in denen eben die Nicht-Erziehung zu Schäden geführt hat. Es kann Kinder überfordern, wenn man ihnen alle Entscheidungen überlässt und sie merken, dass man von ihnen erwartet, diese selber zu treffen und versuchen diese Erwartung zu erfüllen und treffen mitunter eine Entscheidung, für die sie eigentlich noch nicht bereit waren.

Ich habe zum Beispiel in der siebten Klasse französisch gewählt als zweite Fremdsprache. Meine Eltern haben mit mir über die Vor- und Nachteile von Latein und Französisch diskutiert und ich habe mich dafür entschieden. Im nachhinein fand ich diese Entscheidung dann doch schlecht, weil ich nach dem Abi überlegte Medizin zu studieren. Ich habe meinen Eltern dann vorworfen, dass sie mir “erlaubt” haben Französisch zu wählen. Das hat jetzt zwar keine schweren Konsequenzen für mich nach sich gezogen, aber dennoch hätte ich im Nachhinein in mancherlei Hinsicht gerne mehr Grenzen gehabt. In vielerlei Hinsicht aber auch gerne weniger. Das hält sich so ziemlich die Waage und daher plädiere ich nochmal zu einem gesunden Mittelweg. Einfach aus dem Bauch entscheiden, was in dieser konkreten Situation für meine Kinder und für mich das richtige ist und nicht vor jeder Entscheidung zehn Ratgeber lesen und erstmal überprüfen ob sie denn auch zum Konzept passt.

Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen,

liebe Grüße
Kate

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