Was ist Deschooling?

Johanna, 09.10.2006

Deschooling wird die Zeit genannt, die das Kind braucht, sich von Regeln, festen Strukturen und der Schule zu erholen. Es ist die Zeit, in der das Kind seine neu gewonnene Freiheit aufs Äußerste auskostet und sowohl die Eltern als auch das Kind sich auf die neue Lebensweise einstellen.

Wie sieht Deschooling aus?

Das kann so aussehen, dass die Kinder erstmal nur noch fernsehen und nichts “Sinnvolles”[1] mehr machen und sich die Eltern darüber Sorgen machen. Es kann sein, dass sie nur noch fernsehen und sich die Eltern keine Sorgen machen! Es kann so aussehen, dass die Kinder nur noch um 4 Uhr nachts ins Bett gehen. Es kann sein, dass die Kinder gleich verstehen, dass die Einschränkungen wirklich nicht wieder kommen und sie ihre Freiheit auf viele verschiedene Arten auskosten.

Vertrauen

Es ist im Grunde die Zeit, die Eltern und Kinder brauchen, wieder Vertrauen zueinander zu gewinnen. Vertrauen seitens der Eltern, dass die Kinder selbst am besten wissen, was sie brauchen und dass sie keine verkappten Bösewichter sind, die man zähmen muss; Vertrauen seitens der Kinder, dass ihre Eltern sich wirklich geändert haben, dass sie von nun an wirklich respektiert werden, dass die Grenzen und Regeln nicht wieder eingeführt werden, und dass ihre Eltern ihnen vertrauen.

Wenn man einen langweiligen Job hat, den man hasst, träumt man ständig davon, was man alles machen würde, wenn man nur Zeit hätte. Man würde in die Bücherei gehen und ins Kino! Man würde endlich sein Englisch auffrischen und wieder ins Fitness-Studio gehen. Man würde Zeit mit seinen Kindern verbringen und an den See fahren. Man könnte endlich abends Tanzen gehen: Ach, es wäre so schön! Aber wenn man dann endlich Urlaub hat, machen viele erstmal nichts. Man liegt faul auf der Couch herum und zappt durch die TV-Programme, fühlt sich schuldig, weil man sich noch nichtmal angezogen hat und es schon 15.00 Uhr ist etc. Das ist (fast) Deschooling! Erst nach dieser notwendigen Entspannung kann man sich dem Auskosten des Lebens widmen. Schön wäre es, wenn wir unseren Kindern (und uns selbst!) die Schuldgefühle ersparten …

Wie lange noch?

Meiner eigenen Erfahrung nach und nach dem, was ich so gehört habe, brauchen alle – sowohl Eltern als auch Kinder – eine gewisse Zeit, sich vom Schul- und Erziehungsstress zu erholen. Je länger das Kind vorher in der Schule gewesen ist, desto länger wird es zum Deschoolen brauchen. (Man rechnet allgemein mit einem Monat pro Schuljahrbesuch; es kann aber auch kürzer oder länger dauern.)

Wie es mit Nichterziehung aussieht, das weiß ich (noch) nicht. Nach 2 Monaten Nichterziehung steckt meine Tochter definitiv noch in diesem Prozess, und ich weiß nicht, ob es je richtig aufhören kann, da sie ja täglich ein bisschen von der Schule deschoolen muss.

Allerdings sehen wir definitiv auch Fortschritte. Nachdem sie nun alle Kinderprogramme im Fernsehen kennt, kann sie schon viel besser abwägen, welche Sendungen sie wirklich gucken möchte. Beim PC hat sie offensichtlich verstanden, dass sie sowieso jederzeit wieder spielen kann. Manchmal spielt sie, hört dann auf und spielt später wieder, manchmal bleibt er ganz aus. Wenn sie ein neues Spiel bekommt/kauft, sitzt sie allerdings den ganzen Tag dran, bis sie das Spiel “durch hat” – aber das kann ich gut verstehen, das habe ich auch gemacht.

1 Unschooler finden TV durchaus sinnvoll! Dazu ein andermal mehr…

Einen Kommentar schreiben

* = Pflichtangabe

Unerzogen Magazin