Wie fange ich an?

Johanna, 06.10.2006

Anstatt plötzlich zu verkünden, dass es ab jetzt keine Regeln, keine Verbote und keine Bestechungen (“Belohnungen”) mehr gibt, sollte man lieber anfangen, öfter Mal “ja” zu sagen. Irgendwann merken die Kinder selbst, dass sich etwas geändert hat und werden nachfragen.

Dazu eine Geschichte aus unserer Erfahrung:

Als wir anfingen, mehr “ja” zu sagen, wollte ich aber auch irgendwie doch klar machen, dass Computer und Fernsehen jetzt für immer ohne Zeitbeschränkung verfügbar sein würden. Ich hatte gelesen, man sollte lieber nur öfter “ja” sagen – aber ich hatte auch gehört, die Kinder würden am Anfang extrem viel PC spielen und extrem viel Fernsehen, oft einfach deswegen, weil sie fürchteten, die Einschränkung würde irgendwann sicher wieder zurück kehren (“also muss ich jetzt schnell noch so viel wie möglich gucken/spielen”). Ich dachte, wenn sie weiß, dass es jetzt uneingeschränkt ist, wird es nicht so krass, daher habe ich es dann doch gesagt.

Es hat nicht so ganz gewirkt, wie ich mir das vorgestellt habe, obgleich sie schon recht schnell Vertrauen gewonnen hat, dass die Einschränkungen nicht wieder kommen. Was es aber bewirkt hat, ist dass sie ziemlich schnell gemerkt hat, dass es keine Regeln mehr gibt und ein paar Tage herrschte erst Mal Chaos à la “ich darf alles”.

Unser Aufklärungsversuch darüber, dass die eigene Freiheit da aufhört, wo die Freiheit des anderen anfängt hat sie aber sofort eingesehen :-) Dass wir manchmal unsere Ruhe brauchen, auch. Sie war so froh und glücklich, respektiert zu werden und “frei” zu sein, dass sie gerne auch eingesehen hat, dass wir auch Bedürfnisse haben.

Quer denken!

... ist ein weitere Tipp für den Anfang. Erweitern wir unsere Möglichkeiten, indem wir die Tradition brechen, z.B.:

  • kann das Kind wirklich nur im eigenen Bett schlafen?
  • muss es im Bett einschlafen? Könnte es vielleicht auch einfach auf der Couch einschlafen und später ins Bett getragen werden?
  • muss es immer entweder ja oder nein sein?

    Nicht immer so schwarz/weiß denken! Ziel ist es, GabS (Gewinn auf beiden Seiten) zu erzielen.

  • das Kind ist müde und sollte schlafen (finden wir), das Kind will aber in Gesellschaft bleiben (findet es)—> Das Kind kann im Wohnzimmer schlafen = GabS
  • das Kind sollte Zähne putzen (finden wir), das Kind findet aber, dass es eine Zeitverschwendung ist—> Wir können das Kind begleiten und gemeinsam putzen, so ist es lustiger = GabS

    Ich werde ab und zu weitere GabS-Beispiele posten, wenn es sich ergibt. Schreibt gerne eure Beispiele als Kommentar!

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