Geht es um die Absicht?

Johanna, 05.11.2006

Ich glaube, einem 1-4jährigen ist es völlig wurscht, welche Intention Mama gerade im Kopf hat. Es kommt nur die Reaktion an, die Vorgehensweise, der erzieherische Akt an sich. Dann laufen ja am Ende die Fäden wieder zusammen und ich kann keinen Unterschied erkennen zwischen (unautoritärem) Erziehen und Nichterziehen.

Es geht zwar auch um die Intention – aber es geht vor allem nicht einfach nur um die Intention, um die Eltern “zu beruhigen” oder so, sondern weil man davon ausgeht, dass das Kind die Intention bemerkt. Wir gehen davon aus, dass Kinder schon im zarten Alter merken, wenn sie manipuliert und erzogen werden, wenn man versucht, aus ihnen jemand anderes zu machen, als wer sie sind. Das wiederum wäre freiheitseinschränkend und respektlos.

Genau wie schon Mal argumentiert wurde, dass man doch sowieso seine Kinder beeinflussen würde, wenn man einfach nur eine bestimmte Philosophie lebt, so beeinflusst unsere Intention immer unser Handeln und wie wir etwas sagen. Das kann der Ton oder die Wortwahl sein, die Art wie wir was sagen, die Häufigkeit (etwa häufiges Wiederholen von den gleichen Aufforderungen/Sätzen etc.)

Wenn du also mit der Intention, “mein Kind soll nicht denken, dass ich nicht konsequent bin” oder mit der Intention “hoffentlich vergisst er danach, dass wir noch in den Spielzeugladen wollten” etwas sagst/versprichst (etwa: “wir müssen jetzt wirklich gehen”), hört sich das ganz anders an, als wenn du mit der Intention “es geht echt jetzt nicht anders” sagst: “wir müssen jetzt wirklich gehen”.

Das mag bei einem Mal nicht auffällig für das Kind sein. Aber jahrelange Erziehung – es dauert spätestens 15 Jahre (Pubertät) und es wird dem Kind auf jeden Fall auffallen, dass du nicht authentisch bist, öfter Mal lügst, flunkerst, übertreibst, Unwahrheiten und Floskeln sagst, manipulierst, bestichst, drohst etc etc etc…. Kurz, das Kind merkt, dass es 1. nicht wirklich frei ist und 2. du es versuchst zu ändern.

6 Kommentare zu “Geht es um die Absicht?”

hallo,

heul – ich hab den text jetzt 4mal gelesen und verstehe immer noch nicht auf was du raus willst.

und frag jetzt bitte nicht was genau ich nicht verstehe , das habe ich auch schon erfolglos zu ergründen versucht…

mach einfach, dass ich’s verstehe …. bitte :)

moca

Vielleicht liegt das daran, dass der Beitrag ein Ausschnitt eines längeren Textes ist. Er war eine Antwort auf die Behauptung, Nichterziehung und Erziehung sei doch das gleiche (so ähnlich). Diese Behauptung war eine Schlussfolgerung, nachdem eine Nichterzieherin argumentiert hatte, es gehe um die Intention, die hinter dem Handeln steckt.

Und vielleicht verstehst du nicht, weil ich da kein richtiges “Fazit” hingeschrieben habe (?)

Wie im Artikel “Es geht einfach nicht ohne Erziehung” schon beschrieben, ist aber Nichterziehung nicht nur das. Wenn sich die Aussage eines Nichterziehers mit der eines Erziehers deckt, etwa “Wir müssen jetzt wirklich gehen”, so kommt es doch auf die Intention, die dahinter steckt an; aber z.B. auch um die Mühe, die wir uns gemacht haben, dem Wunsch des Kindes nachzukommen, die Bedürfnisse miteinander vereinbar zu machen etc.

Als Erziehende habe ich z.B. oft einfach so gesagt “wir müssen jetzt echt gehen” – auch wenn vielleicht 5 Minuten noch gegangen wären. Ich wollte einfach meine Interessen durchsetzen und es erschien mir in dem Moment “nicht so wichtig”, was mein Kind wollte (Einkaufen war halt “wichtiger” als das Bedürfnis des Kindes, zu “spielen”).

Es geht darum, dass man nicht denken soll, dass Nichterziehung einfach nur bedeutet, man kann handeln, wie man will (=erziehen), hauptsache man hat keine erzieherische Absicht im Hinterkopf. Außerdem wollte ich klar stellen, dass es für das Kind sehr wohl einen Unterschied macht – im einzelnen nicht – aber gesamt gesehen wohl. Darauf wollte ich wohl hinaus…

Ist das jetzt klarer?

Gruß
Johanna

[...] Sie ist nicht “nur” Freiheit. Sie ist nicht “nur” Vertrauen. Sie ist nicht “nur” helfen. Sie ist nicht “nur” auffangen. Sie ist nicht “nur” gemeinsam erstellte Regeln. Sie ist nicht “nur” keine Regeln. Sie ist nicht “nur” natürliche Grenzen. Sie ist nicht “nur” Intention. Sie ist nicht “nur” Ernst nehmen. Sie ist nicht “nur” Konsens. Sie ist nicht “nur” vor Gefahren schützen. Sie ist nicht “nur” machen lassen. Sie ist nicht “nur” Bedürfnisse stillen. Sie ist nicht “nur” Bedürfnisse aller in Einklang bringen. Sie ist nicht “nur” die Mühe, die wir uns machen. Sie ist nicht “nur” der gesunde Menschenverstand. Sie ist nicht “nur” Selbstregulierung. Sie ist nicht “nur” lenken statt zwingen. Sie ist nicht “nur” Neins seitens des Kindes akzeptieren. Sie ist nicht “nur” keine Verbote. ... ... ... ... [...]

Solange es eine BE-ziehung zwischen Menschen gibt, findet immer eine (gegenseitige) Er-ziehung statt. Nicht nur der Körper, auch Geist und Seele haben HUNGER und brauchen STÄRKUNG und Pflege um gut zu wachsen. Noch mehr als gute Taten und Worte saugen die hungrigen Seelenkräfte das auf, was wir denken und AUSSTRAHLEN.
Würden wir lernen, das Tun (nicht nur) der Kinder, nicht nur auf unsere Worte zu beziehen sondern auch auf unsere Gedanken und unsere Ausstrahlung, so würde uns manches kindliche Verhalten gut verständlich´und wir könnten unsere Gedanken und Strahlen ändern – das wäre nicht nur für das Kind sondern auch für uns selbst von größtem Vorteil.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

“Solange es eine BE-ziehung zwischen Menschen gibt, findet immer eine (gegenseitige) Er-ziehung statt.” (Zitat F. J. Neffe)

Nein. Das wäre ja schrecklich. :)

Das Wesentliche einer (liebevollen) Beziehung ist immer eine absichtsfreie Begegnung zwischen den Menschen.

Eine absichtsfreie Begegnung können wir weder erzwingen, noch einfordern und auch nicht kontrollieren. Wir können versuchen, eine absichtsfreie Haltung einzunehmen. Mehr nicht. Wir sind dann offen für uns selbst und den Menschen, der uns gegenüber steht.

In einer absichtsfreien Begegnung wandelt sich das ICH und DU in ein (grenzenloses) WIR, um dann gewandelt (nicht erzogen) wieder zurückzukehren in ein Du und in ein ICH. Auf dieser Basis entwickelt sich in uns ein tragendes Verbundenheitsgefühl. Eine (erziehungs) freie Beziehung ist möglich.

Liebe Grüße
Heike

Viele Menschen wollen das nie mehr erleben oder gar tun, was man ihnen als Erziehung angetan hat. In der Praxis ergeht es ihnen zu oft wie dem Hl. Paulus, der schreibt: “Das Gute, das ich will, tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich!” Es genügt also nicht, eine Theorie zu finden, es sollte schon ein praktischer Weg sein.
Absichtsfreie Begegnungen sind ebenfalls eine Absicht. Wenn wir meinen, keine bewusste Absicht zu haben, so haben wir doch stets unbewusste Absichten. Was wissen wir schon über unser Unbewusstes? Schauen wir überhaupt je danach?
Statt davor den Kopf in den Sand zu stecken, fände ich als Ich-kann-Schule-Lehrer es angemessener, für jede Begegnung die Verantwortung zu übernehmen und dabei mit den Kräften des anderen so umgehen zu lernen, wie ich mit meinen Kräften umgegangen haben möchte.
Also wenn schon, dann verantwortliche Begegnung. Wenn wir das, was in uns ZIEHT nur allen fremden Kräften überlassen, werden wir unserer Verantwortung weder uns selbst noch anderen gegenüber gerecht.
Ichb grüße herzlich.
Franz Josef Neffe

Einen Kommentar schreiben

* = Pflichtangabe

Unerzogen Magazin