Trösten

Johanna, 06.11.2006

Manchmal bleibt nur Trösten – aber ist Trösten gleich Trösten?

Ich glaube nicht. Ich habe meine Tochter oft “getröstet”, als ich noch erzogen habe, und mich gewundert, warum es alles schlimmer wurde oder zumindest nicht besser.

Das liegt daran, dass man sehr häufig die Gefühle des Kindes negiert:

“Ach, das ist doch nicht so schlimm…”
“Ach quatsch, ist doch gar nicht kalt…”
“Da brauchst du doch nicht weinen…”
“Ist doch schon vorbei, was heulst du noch…”
“Da brauchst du doch nicht traurig sein…”

Man hat ein bisschen Angst, dass man es noch schlimmer machen könnte, wenn man das Gefühl beim Namen nennt und direkt auf die Trauer eingeht. Man will nur, dass es dem Kind einfach nur schnell wieder gut geht und dass es das Gefühl möglichst schnell “vergisst”.

Wenn man jedoch im Gegenteil, die Gefühle benennt, so fühlt sich das Kind erst Mal richtig ernst genommen und verstanden. Wenn das Kind sich dann keine Gedanken darüber machen muss, dass es gerade – mal wieder – falsch oder gar nicht verstanden wurde, hat es den Kopf frei, um nach Lösungen für sein Problem zu suchen und kann eher davon ausgehen, dass die Person wirklich gewillt wäre, ihm zu helfen.

“Das war anscheinend sehr schlimm für dich, dass dein Freund dir die Schippe weggenommen hat”
“Dir ist richtig kalt und es ärgert dich, dass du keine Jacke mitgenommen hast.”
“Du bist sehr traurig, dass…”
“Es tut dir immer noch weh…”
“Wenn Mama weg ist, kann man sich ganz schön einsam fühlen…”

Eine sehr hilfreiche Idee zum Trösten von kleineren Kindern ist:

Wenn es irgendwas nicht gekriegt hat/kriegen kann, etwa Cornflakes, weil sie alle sind und es Sonntag ist, “gebt” dem Kind das was es will einfach in der Phantasie: “Ich wünschte, ich hätte eine MASCHINE, die eine Riiiieesenpackung Conflakes herzaubert.” Sagt das mit leuchtenden Augen… Je nach Enthusiasmus könnte man ausschmücken ”...wir schwimmen in Cornflakes…” – die meisten Kinder werden lachen und es lustig finden und vor allem froh sein, dass ihre Mama sie soooo gut versteht, denn sie wünschten genau das gleiche auch :-)). (Achtung, nicht ALLE Kinder werden das toll finden! Ich habe ganz gute Erfahrungen gemacht, meine Tochter (7) hat das immer weiter gesponnen, und es war total witzig. Heute haben wir im Auto unterwegs zum Brunch fantasiert, wie toll es wäre, wenn es im Auto Frühstückstische gäbe…)

2 Kommentare zu “Trösten”

[...] Deshalb bringt ihr jetzt Beispiele, in denen es doch “einfach nicht geht” ohne Erziehung oder “über dem Kopf des anderen hinweg zu entscheiden”. Und selbst bei Enttäuschung eines Kindes kommt ihr nicht unbedingt auf weitere Lösungen für die Zukunft (Bedürfnisse ernst nehmen und nächste Woche wirklich zum Spielzeugladen gehen) oder darauf, dass Nichterzieher manchmal halt einfach nur trösten können. [...]

[...] Lösung in der Fantasie ausmalen (kleine Kinder) [...]

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