Elterliche Erwartungen und Aufgaben

Johanna, 26.11.2006

Von Willibald Papesch

Auch bei einem Zusammenleben nach den Grundsätzen [von gleichberechtigten Eltern-Kind-Beziehungen] fällt Eltern eine Führungsaufgabe zu: Sie leben vor, was das Kind lernen kann; sie schaffen die dazu unerlässliche Umgebung; sie haben bestimmte Vorstellungen und Erwartungen, durch die sie selbstverständlich auf das Kind einwirken; sie haben (berechtigte) Interessen, die sie dem Kind gegenüber vorbringen, vertreten, mit ihm abstimmen … usw.

  • Wir haben selbstverständlich von unseren Kindern erwartet, dass sie möglichst früh sauber werden, und wir haben alle Bewegungen in dieser Richtung unterstützt, aber wir haben nie Druck ausgeübt und haben es akzeptiert, dass unsere Kinder die Windel ablehnten und sich auszogen, sobald sie dazu in der Lage waren, und in der Wohnung nackt herumliefen. Für uns völlig unerwartet brachte dies keinerlei Probleme mit sich, sondern führte dazu, dass unsere Kinder zum einen es ohne jedes Sträuben akzeptierten, wenn wir ihnen Windel anlegten, bevor wir aus dem Haus gingen, und dass sie zum anderen so mit etwa +/- 10 Monaten zu Hause sauber waren, weil sie z.B. von sich aus sich immer wieder lange – das konnte ein halbe Stunde sein _ auf den Topf setzten…
  • Wir haben selbstverständlich von unseren Kindern erwartet, dass sie möglichst früh selbstständig essen konnten, im Essen nicht rummantschten oder mit Essen warfen. Aber zuvor haben wir monatelang ihnen die Möglichkeit gegeben, in ihrem Tempo und auf ihre Art “essen” zu lernen, das heißt, wir haben es ihnen von Anfang an nicht verwehrt, während des Gefüttertwerdens im Essen “rumzumantschen”, was ja in Wirklichkeit ein Lernprozess ist, mit dem Essen umzugehen, Hand-, Finger- und Greifgeschicklichkeit einzuüben. Statt 10 Minuten dauerte der Essvorgang dann halte ein halbe Stunde oder länger, und das so etwa vom vierten Monat an. Dafür aßen sie etwa ab dem 10. Monat völlig selbständig, ohne jede Kleckerei und Mantscherei.
  • Wir erwarteten von unseren Kindern selbstverständlich, dass sie sich in der Öffentlichkeit, im Restaurant, bei Besuchen so verhielten, dass sie niemandem lästig wurden. Wir hatten deshalb immer einen Sack voll Spielsachen dabei, die sie dann auspackten und mit denen sie dann spielten. Genauso selbstverständlich aber beendeten wir einen Besuch, wenn unsere Kinder dies wünschten.
  • In unserem Haus darf und durfte nicht geraucht werden, was allerdings für unsere Kinder nie ein Problem war.
  • Niemand durfte den Bereich eines anderen betreten, ohne vorher anzuklopfen und herein geboten worden zu sein. Wir durften also auch die Zimmer unserer Kinder nicht betreten, wenn sie dies nicht wünschten.
  • usw. usw.

    Antwort von Willibald Papesch. Veröffentlicht mit Genehmigung.

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