Folgebereitschaft statt Gehorsam

Johanna, 26.11.2006

Von Willibald Papesch

Der zentrale Denkfehler sowohl bei Erziehung als auch bei Nichterziehung liegt im Begriff “Gehorsam”. Die Erziehung erzwingt Gehorsam, weil sie dies für unerlässlich hält; Nichterziehung lehnt – zu Recht – Gehorsamserziehung ab.

Gehorsam aber ist der falsche Begriff, der falsche Denkprozesse und Lebenshaltungen auslöst. Der richtige Begriff lautet “folgen”: Kinder wollen und müssen – wie jedes Jungtier dem Muttertier – den Eltern folgen im Sinne von nach-folgen. Sie erwarten deshalb natürlicherweise, dass die Eltern ihnen auf dem “richtigen” Wegen vorangehen, also “Führung” übernehmen. Wie anders sollten sie denn sonst all jene Dinge lernen, die zum Überleben in ihrer jeweiligen Umgebung erforderlich ist: der Eskimo, der Mitteleuropäer, der Tuareg… ?

Kinder werden  mit einer natürlichen Folgebereitschaft (Lernbereitschaft) geboren; die elterliche Bereitschaft zur Führung passt dazu wie der Schlüssel zum Schloss. Die negative Seite dieser ur-menschlichen Folgebereitschaft ist die fast grenzenlose Bereitschaft zum Mitläufertum.

Antwort von Willibald Papesch. Veröffentlicht mit Genehmigung.

1 Kommentar zu “Folgebereitschaft statt Gehorsam”

STIMMT !!!!
Das alles kann man auch in “Das kompetente Kind” von Jesper Juul nachlesen. Er kommt zu der Schlussfolgerung, dass wir als Eltern gar nicht immer dem Wunsch des Kindes nachgeben müssen, um ein Kind glücklich zu machen (tatsächlich wird es dadurch sogar unglücklich und unzufrieden), sondern dass man es RESPEKTIERT und GLEICHWÜRDIG behandelt.

Eine gleichwürdige Erziehung bringt die Folgebereitschaft der Kinder ans Licht und ermöglicht so, dass viele kleine Kinderseelen unverletzt bleiben können. Dazu muss man nicht nicht-erziehen, sondern es reicht, seine elterliche Führungsrolle mit Achtung vor der Würde des Kindes auszuüben.

Viele Grüße,
Michi

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