Warum Gleichberechtigung keine Methode ist (2)

Johanna, 26.11.2006

Antworten von Sumpfel auf meine Zweifel, ob Gleichberechtigung in Eltern-Kind-Beziehungen nicht doch eine “Methode” ist:

Ich dachte, ich hätte Nichterziehung verstanden, als ich verstand, dass es nicht eine “Methode” sei, da man kein Erziehungsziel oder Ziel als solches hat – man will einfach nur die angeborene Freiheit nicht wegnehmen (im Gegensatz zu “Freiheit gewähren”) (trotzdem “gewährt man” weil man es ja in der Macht hätte, das ist aber Definitionssache und in diesem Zusammenhang eher egal).

Nicht zu erziehen ist für mich, mit meinen Kindern zu leben, ohne sie erziehen zu wollen, mit anderen Menschen zu leben, ohne sie erziehen zu wollen. Die Substantivierung “Nichterziehung” suggeriert eine Methode, aber das Leben ohne Erziehung ist m.E. keine Methode. Darum gefällt mir eine Formulierung wie “erziehungsfrei leben” so gut.

Daher ist es so wichtig, nicht zu erziehen, damit das Vertrauen nicht gebrochen wird.

Für mich ist es so: Wenn ich erziehe, ist das ein Zeichen dafür, dass ich kein Vertrauen in mein Kind habe. Es ist mein Ziel, dem Kind bedingslos zu vertrauen. Das ist weder ein Erziehungs- noch ein Nichterziehungsziel, was ich irgendeinem anderen Menschen aufdrücken würde, denn es gilt ja nur für mich.

Was wollen wir mit Nichterziehung? Wir wollen dieses Vertrauen nicht brechen, oder wenn schon passiert, wollen wir es wieder aufbauen. Das ist besonders schwer! Oder?

Ich will vertrauen. Das Vertrauen des Kindes bekomme ich gratis mit seiner Geburt. Was ich will, indem ich Erziehung unterlasse: Ich will das Kind nicht verrückt machen; ich will es nicht manipulieren; ich will sein Vertrauen nicht missbrauchen.

Ist das ein “Erziehungsziel”? Weil wir natürlich “hoffen” oder “glauben”, dass dadurch, dass wir Vertrauen, alles besser ist, einfacher ist, dass sich das Kind vernünftig verhalten wird… letztendlich, dass wir dann Erziehung “nicht brauchen”??

Ich habe ein Menschenbild vor Augen und das sagt mir, dass ich meinem Kind vertrauen kann. Dann muss ich nicht an später denken: “tue dies, damit es später … tue das …”

Antwort von Sumpfel aus der Mailingliste Unerzogen. Veröffentlicht mit Genehmigung.

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