Unordnung

Johanna, 22.10.2006

Von Deb Lewis

Vielleicht ist es hilfreich, die Sachen unserer Kinder nicht mehr als “Unordnung” zu betrachten

Wir haben auch überall im Haus unsere Sachen verteilt! Wir legen Teppichvorleger auf dem Boden und verteilen unsere Sachen, Pflanzen, Körbe, Fotos, Vasen, Sammlerstücke überall im Haus. Warum sind diese Sachen “Dekoration” und die Dinge unserer Kinder “Unordnung”?

Meine “Deko” ist zwar was anderes als wenn ich meine Stricksachen rausgeholt habe oder mein Schreibzeug benutzt und Post-Its überall verteilt habe, oder wenn meine Rezeptkarten auf dem Wohnzimmertisch herumliegen. Aber selten denke ich von meinen Sachen, sie seien “Unordnung”. Es ist eher “Zeug”. Ist dieser Unterschied nicht einleuchtend genug, um sich darüber zu wundern? :)

Wenn du deine eigenen Sachen als “Unordnung” ansiehst, könntest du das vielleicht in deinem Kopf in “Zeug” umändern. So könntest du anfangen, den Wechsel von Negativ zu Positiv anzugehen. Wenn du es so sehen kannst, dass das Zeug deiner Kinder ebenso zum Haus gehört wie deine Fotos und Teppichvorleger und was auch immer, dann ist es weniger stressig für dich, wenn “Zeug” liegen gelassen wird.

Manchmal wirst du irgendwelches Zeugs wegräumen wollen, sodass man sich hinsetzen und essen oder fernsehen kann oder tanzen, aber wenn es nicht eine “Unordnung” ist, “die man aufräumen muss”, sondern einfach “Zeug, dass man weglegt oder wegstellt”, ist es anders in deinem Kopf, erzeugt weniger Stress und verbindet keine schlechten Gefühle oder Groll mit der Sache.

Ich glaube mein Haus wäre viel praktischer für meinen Mann, wenn ich nicht auf jeden flachen Untergrund eine Pflanze gestellt hätte. Er könnte stattdessen seine Autohandbücher dorthin stapeln. Wenn ich keine Holzenten auf dem Klavier stehen hätte, könnte er seine Baseballmützen dorthin legen. Meine “Deko” könnte von anderen Familienmitgliedern also durchaus als “Unordnung, die mir im Weg steht” gesehen werden, wenn sie das wollten.

Wenn du bespielsweise den einen Tisch nicht mit Fotos vollgestellt hättest, könnten deine kinder dort ein Lego-Schloss bauen! Warum hast du deine Unordnung nicht weggemacht? ;)

Kindern sollte es möglich sein, ihre Sachen um sich zu haben. Kinder sind dem Boden und den Stuhl und Sofasitzflächen näher. Das sind natürliche, logische Orte für Kindersachen ;-)

Deb Lewis

Dieser Text war eine Antwort von Deb Lewis aus der englischen Mailinglist UnschoolingBasics übersetzt aus dem Englischen mit Genehmigung.

5 Kommentare zu “Unordnung”

Richtig, aber was anderes ist wenn das “Zeug” der Kinder seit Monaten herumliegt und sie das erstmal irgendwohin wegschieben müssen um was neues spielen zu können. Man kann sich auf der einen und auf der anderen Seite alles schön reden. Man kann auf der einen und auf der anderen Seite übertreiben.

also abgesehen von den unerzogen-inhalten, die ich wirklich sehr,sehr spannend finde, ist dein kommentar ja total traditionell geschlechterverteilt:
“ich glaube mein Haus wäre viel PRAKTISCHER für meinen Mann, wenn ich nicht auf jeden flachen Untergrund eine PfFLANZEN gestellt hätte. Er könnte stattdessen seine AUTOhandbücher dorthin stapeln. Wenn ich keine Holzenten auf dem Klavier stehen hätte, könnte er seine BASEBALLMUETZEN dorthin legen.” ?????????????’’
nebst all den guten anspruechen bzgl nicht-erziehung wuerde ich es nicht verabsaeumen auch die bilder des patriarchalen systems, in dem wir leben, verbunden mit den geschlechterbildern hinterfragen und das nicht un-kritisch an die kinder weitervermitteln. vielleicht sollte mal dein mann das haus dekorieren oder unordentlich machen ;) !?

Hihi, hast wohl Recht. Wobei der Text ja nicht von mir ist, sondern von Deb Lewis (steht oben). Ich habe ihn nur übersetzt. Wenn aber eine Familie entscheidet, eben so zu leben, dann ist das auch ihr Ding und ihre Entscheidung. Niemand ‘sollte’ irgendwas :) Aber Deb kann natürlich…

Grüße
Johanna

ja sorry, dass hab ich nicht so genau gelesen dass der text nur uebersetzt ist ;)
natuerlich ist das die entscheidung der familie, aber ich halte nicht sehr viel von kommentaren wie “leben und leben lassen”. die gedanken von “unerzogen” sind auch aus einer negativen kritik am vorgelebten erziehungsapparat entstanden. und nicht anders verhaelt es sich mit meiner persoenlichen kritik am patriarchalen system, genderthemen uvm. und ich finde schon, menschen “sollten” ueber den tellerrand blicken und nicht einerseits total kritisch und bewusst sein und auf der anderen seite voellig unkritisch tradierte bilder von gender, race oder klasse reproduzieren. das ist meine meinung :)

lb gruesse
floh

Ja, aber das weißt du ja gar nicht, ob sie unkritisch tradierte Bilder einfach reproduziert, ohne darüber nachgedacht zu haben. Vielleicht hat sie sich ja total damit auseinander gesetzt und einen guten Grund, es so zu machen, wie sie es eben macht. Ich kenne Deb jetzt auch nicht persönlich und sie kommt auch aus den USA, da ist vieles sicher auch ganz anders. Z.B. wenn man eine ganz breite Masse erreichen will, kann es sein, dass man solche Beispiele nimmt, mit denen sich ein Großteil der Gesellschaft identifizieren kann. Das soll sie jetzt nicht irgendwie “entschuldigen” oder so… ich will nur zeigen, dass man manchmal einfach so über andere urteilt ohne direkt zu wissen, was wirklich im Vorfeld passiert ist. Von daher ist aus unerzogener Sicht ein “sollte” eigentlich unangebracht – du könntest aber von dir ausgehen und sagen, ich wünsche mir, dass solche Bilder nicht einfach reproduziert werden, weil …

Bleibt mir noch zu sagen, dass ich das hier so als Ideal darstelle, aber mich selbst nicht immer daran halten kann. Oft noch sage ich “man sollte”, “du musst” oder sonst was, und bestimmt gibt es von mir verfasste Artikel hier, wo so was steht oder wo ich auch über andere geurteilt habe, ohne die Hintergründe zu kennen.

Grüße
Johanna

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