Aber was mach‘ ich, wenn mein Kind mit Kacke spielt?!

Johanna, 12.10.2006

Verzeiht das Wort “Kacke”, aber “Kot” klingt so klinisch.

Immer wieder kommen solche Fragen – auch ich habe sie gestellt. Also dann:

Was tust Du, wenn Dein Kind anfängt, mit Hundekot zu spielen oder (selber erlebt) es mit Wonne in schön pampigem Hundekot rumspringt?

Einem Von-Geburt-an-Nichterzieher wäre das wahrscheinlich gar nicht erst passiert. Und zwar deswegen, weil er vielleicht irgendwann seinem Kind gezeigt hätte, als es gehen konnte, was Hundekacke ist, wie sie aussieht, hätte es dran riechen lassen, sie hätten darüber gesprochen und hätte gesagt, dass er das nicht nimmt und warum. Als das Kind so klein war, dass es das nicht hätte verstehen können, wurde das Kind vielleicht einfach immer getragen, oder sie sind Hundekacke einfach immer ausgewichen. Einem älteren Kind hat es aus Vertrauensgründen genügt zu sagen, dass das gefährlich oder eklig ist. Vielleicht ist die Mama Mal in Kacke getreten und hat es nicht alleine abgewaschen, sondern dem Kind genau gezeigt, was passiert ist, sich geärgert, es abgewischt und alle haben im Auto riechen müssen, wie eklig es war. Vielleicht wäre es ihm doch passiert – aber er hätte sich einer der mehreren Möglichkeiten bedient. Da es sonst auch keine willkürlichen Grenzen gibt, hatte das Kind nie einen Grund zu bezweifeln, dass der Papa da jetzt vielleicht unrecht hat. Und da es keine willkürlichen Grenzen erlebt hat (die es ständig austestet, weil es ja irgendwie spürt, dass da was nicht stimmt), braucht es auch nicht auszutesten, ob das mit der Kacke wirklich so schlimm ist oder nicht. Desweiteren ist es kein Weltuntergang, wenn es doch passiert!

Ich bin aber kein Von-Geburt-an-Nichterzieher – und du auch nicht. Was hättest du gemacht?

Ich als Nichterziehende mit immer noch teilweise alten Verhaltensweisen würde ihm den Kot einfach wegnehmen, abputzen, fertig. Schlimm wäre das meiner Meinung nach nur, wenn das Kind dann weint und deutlich zu erkennen gibt, dass es gerne wieder die Kacke nehmen möchte. Wenn es mit meiner Entscheidung zufrieden ist, dann ist es doch OK!

Wenn ich gleich “neu” denken würde – was in letzter Zeit immer häufiger passiert :) dann würde ich einen Mittelweg zwischen meinem Bedürfnis, dass das Kind doch bitte nicht in Kacke matschen soll, und seinem Bedürfnis, in Kacke zu matschen, zu finden.

Es gibt immer mehr als nur zwei Wege:

1. Tradioneller Weg: Kind ob es will oder nicht von der Kacke befreien.

2. Pseudo-Nichterziehung: Kind in Kacke matschen lassen, mit dem Bus nach Hause fahren und alle ärgern sich über den Geruch im Bus :) Oder Kind in Kacke matschen lassen und das Kind wird krank (glaub ich nicht, aber so denkt man – eklig ist es dennoch)

3. Nichterziehung mit Glück: Von Kacke entfernen und hoffen, dass es damit einverstanden ist, wenn ja, gut, wenn nicht, Pech.

4. Es hat bereits in Kacke gematscht, es ist sowieso zu spät! :) Also kann ich es auch noch ein Weilchen, ein mini-bisschen, solange es jedenfalls meine Toleranzgrenze erlaubt (und diese erweitert sich im Laufe der Zeit, die man nicht erzieht), darin matschen lassen. Ich kann mich dann auf das Kind einlassen und auf seine Höhe sinken (körperlich!) und sagen “Hey, das ist interessant nicht, wahr? Ganz braun/weich/hart/alt/trocken/feucht/dunkel – schau Mal das riecht ganz eklig – das kommt aus dem Popo vom Hund, heißt “Kacka” (oder wie auch immer man das in der betreffenden Familie nennen mag)...”[1] so was in der Art. Dann hole ich ein Taschentuch raus und wische den Dreck ab und sage dabei, dass wir das nicht machen. “Das riecht so eklig, das lassen wir Mal liegen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht da drauf treten, sonst bleibt das an unseren Schuhen kleben.” – das geht natürlich nur, wenn das Kind sowas bereits versteht. Wenn es das noch nicht versteht, sagen wir, es ist mein Sohn (ist gerade 1 Jahr alt), dann sage ich das trotzdem alles (weil wir eh mit Babys reden, als ob sie uns verstünden, und vielleicht versteht er ja ein bisschen) – wische halt trotzdem mit nem Taschentuch ab und dann ist doch gut! Je nach Alter und Interesse des Kindes könnte man zu Hause noch Mal darüber reden, die eigene Kacke betrachten oder im Wald nach verschiedenen Kackesorten suchen (ernsthaft! Es ist interessant, Tiere anhand von Kot zu identifizieren!)

5. Ich könnte sein Bedürfnis, Kacke zu erkunden, respektieren und sagen: “Oh, Kacke ist sehr interessant – stinkt aber ein bisschen. Hier, nimm dieses Stöckchen, da kannst du damit drin rumstochern.” Falls es bereits reingegriffen hat noch zusätzlich: “Warte, ich hol noch ein Taschentuch und wisch dir das ab, dann stinkt es nicht so an deiner Hand.”

Ich könnte auch schreien: “NEIN, um GOTTES Willen, fass das nicht an, PFUI-BÄH, hab ich dir nicht schon 1000 Mal gesagt, dass…” und dann verärgert gucken, das Kind aus der Situation wegreissen, vom Spielplatz vor Peinlichkeit fliehen, ein Taschentuch nehmen und grob den Dreck wegmachen und so weiter.

Welche Art gefällt dir besser? Was gefällt deinem Kind besser?

Alles hinterfragen

Wenn so was passiert, oder wenn man schon im Vorhinein solche Bedenken hat, würde ich auch Mal recherchieren, ob Hundekacke wirklich schlimm wäre. Was für Krankheiten übertragen werden könnten (heutzutage laufen doch keine Herrchenlose kranke Tiere rum, alle sind geimpft etc.); wie hoch die Wahrscheinlichkeit wäre, dass das Kind sich damit ansteckt etc. etc. (Im Übrigen fressen viele Hunde eigene oder fremde Hundekacke, und trotzdem macht es Menschen mitunter nichts aus, diese zu streicheln oder sich von ihnen lecken zu lassen; Hunde & Katzen lecken sich ihren Allerwertesten… könnte alles zu Denken geben!) Wer weiß, vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm. Ich glaube jedenfalls kaum, dass das Kind diese tolle Erfahrung wiedeholen will.

Bei Älteren Kindern könnte man sich überlegen, was der Grund für so ein Verhalten ist. Bei stark erzogenen oder vernachlässigten Kindern könnte das ein “Hilferuf” nach mehr Aufmerksamkeit sein, weil es weiß, dass so was an die Grenzen der Erwachsenen stößt und sie sich dann vielleicht endlich (irgendwie, aber überhaupt) kümmern. Oder ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass Erziehung einfach “Kacke” ist ;)

Es könnte aber auch ein starkes Interesse sein – das wird man nur dadurch herausfinden, indem man mit dem Kind redet und sich auf sein Bedürfnis bzw. Verhalten einlässt. Allen Kackeinteressierten Kindern seien übrigens die Bücher So ein Kack! und natürlich das allseits beliebte Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf dem Kopf gemacht hat empfohlen :)

Aber Mal ganz abgesehen davon…

...sind solche Situationen selten! Ich erlebe immer wieder, dass Neue oder Skeptiker in Sachen Nichterziehung sich geradezu auf diese wenigen Situationen stürzen, quasi um zu “beweisen”, dass es ja gar nicht gehen kann. Mein Gott – dann setz halt die Grenze (in diesem Fall entferne das Kind von der Kacke), jedenfalls am Anfang, wenn es dich beruhigt. Lasse dafür andere Grenzen fallen, sage mehr “ja”, und beobachte den Effekt – und eines Tages wirst du dich vielleicht wundern, warum du damals so einen Hehl um Hundekacke oder Straßenverkehr gemacht hast – es war doch eigentlich so einfach :)

1 Das kann man übrigens im ganz normalen Erwachsenentonfall sagen. Der Trick ist auch, so was nicht manipulierend sondern informativ zu sagen. Der Trick hierbei wiederum ist, nicht zu erwarten, dass das Kind sein Verhalten ändert, sondern zu respektieren, wenn es das trotzdem nicht tut oder wieder kreativ zu sein und andere Lösungen zu finden. Rede halt so, wie mit einem Freund, dem du einen Rat geben willst.

17 Kommentare zu “Aber was mach‘ ich, wenn mein Kind mit Kacke spielt?!”

hallo johanna,

irgendwie stört mich das wort “trick” in der anmerkung. das klingt so nach austricksen. ich kann mir auch garnicht vorstellen, wie mensch darüber befinden kann, etwas manipulierend zu sagen oder eben nicht. weil wenn ich nicht manipulieren will, kommt die aussage denke ich automatisch informativ. wie sonst?
und wie soll eine verhaltensänderung als trick nicht erwartet werden? entweder habe ich die erwartung oder ich habe sie nicht. aber so zu tun als hätte ich die erwartung nicht, wenn ich sie aber doch habe, das fände ich hyperlink und obererzieherisch.

gruss
moca

Was hätte denn ein ‘Erziehender’ in dieser Situation gemacht – nur um den Unterschied zu merken. Ich kann’s mir grade nicht vorstellen, wie Du es vorher gemacht hättest. :-)

Hallo Sarah,

ich hätte das hier gemacht:

“Ich könnte auch schreien: “NEIN, um GOTTES Willen, fass das nicht an, PFUI-BÄH, hab ich dir nicht schon 1000 Mal gesagt, dass…” und dann verärgert gucken, das Kind aus der Situation wegreissen, vom Spielplatz vor Peinlichkeit fliehen, ein Taschentuch nehmen und grob den Dreck wegmachen und so weiter.” So was hab ich ständig gemacht, leider nicht nur in Extremsituationen…

Hallo Moca,

da hast du Recht, es soll natürlich kein “Austricksen” sein. Ich denke aber schon, dass man sich als Anfänger oft selbst austricksen muss, um Nichterziehung durchzuziehen. Es hilft nicht, alles theoretisch zu wissen – wir sind selbst meistens erzogen worden und haben Unmengen an Erziehungsratgebern gelesen, wir haben die Supernanny erlebt und uns mit unseren Eltern unterhalten … es sitzt einfach zu tief in uns drin, als dass ich von heute auf morgen sagen kann – ab jetzt lasse ich das Kind sogar mit Kacke spielen ;)

Mal im Ernst, es ist eine Kunst, nicht in alte Muster zu verfallen und es hilft, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass ich nicht etwas nur sage, um das Kind dazu zu bringen, etwas zu tun, sondern rein informativ. Bei vielen vielen Eltern, die zwar von dieser Idee angetan sind, aber hin und wieder rückfällig werden oder weiterhin skeptisch sind (was natürlich ist!) wird der informative Satz erst zum Normalfall, wenn sie erlebt haben, dass es wirklich funktioniert – bis dahin müssen manche eben “tricksen”.

Es ist total schwer, keine Verhaltensänderung zu erwarten! Vor allem, wenn es vorher ein leichtes war, das Kind zu beleidigen, es anzuschreien oder zwanghaft wegzuzerren, um es vom “falschen Weg” abzubringen. Dann kommt ein Nichterzieher daher und behauptet, das geht alles ohne Zwangsmethoden, man müsse nur informieren! Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass Unschooling/Nichterziehung, nicht eine weitere “Methode” ist, um das Kind dazu zu bringen, das zu tun, was ich selbst für richtig erachte. Erst nach und nach bürgern sich bei mir die neuen Verhaltensmöglichkeiten und die Kreativität für neue Wege ein – aber wenn ich merke, ich kann es nicht, hilft es, wenigstens so zu tun als ob – ich bin ja davon überzeugt, dass es was bringt. Es ist schon Mal die richtige Richtung, findest du nicht? Besser jedenfalls, als das Kind dann halt zu beleidigen, anzuschreien oder gar gewaltsam zu behandeln.

Welches Wort würdest du wählen? Ich würde es gerne ändern :-)

Gruß

Ach so, jetzt erst verstehe ich. Es ist schon ein Unterschied, ob du etwas informativ sagst, oder manipulativ. Es ist vielleicht manchmal schwer, etwas Informatives völlig frei von Erwartung zu sagen, aber eins ist klar: Wenn du dein Kind anlügst, damit es das tut, was du willst, dann ist es auf jeden Fall manipulativ! Wenn du das Fernsehen ständig schlecht machst und dich darüber auslässt, und mehr als nötig deine Abneigung dagegen bekundest, hast du ganz klar das Ziel, das was du für richtig hältst, einem anderen aufzuzwängen, vor allem dann, wenn für die andere Partei nichts zur Diskussion steht. Wenn sagst: “Wenn du mit Kacke spielst, wirst du krank” – das stimmt sehr wahrscheinlich so einfach nicht. Und solche Dinge sagt man als Erziehender ständig, oftmals hat das Kind sogar selbst erlebt dass es nicht stimmt. Noch schlimmer sind natürlich solche Aussagen wie: “Wenn du zu viel fernsiehst, werden diene Augen schlecht/quadratisch” – aber so was macht man ja fast nicht mehr, selbst in traditioneller Erziehung. Andere Formen von Manipulation sind Sätze wie: “Wenn du aufhörst mit Kacke zu spielen, kriegst du ein Eis” oder ähnliches.

Natürlich gibst du eine Information, die eine Wirkung haben soll (sonst kannst du auch gleich nichts sagen) – aber es ist ein Unterschied, ob du ein Nein (seitens des Kindes) akzeptierst oder nicht. Wenn das Kind weiß, dass du eh kein Nein akzeptieren kannst, und am Ende halt doch Zwangsmaßnahmen ergreifst, ist halt doch alles manipulativ, was du gesagt hast, weil du von Anfang an die Erwartung hattest, es ändert sein Verhalten.

Der “Trick” war übrigens nicht ein Trick, um die Kinder auszutricksen, sondern sich selbst. Viele würden vielleicht sagen, dass man sich doch verstellt und ich will so sein wie ich bin und so – dann brauchen wir aber gar nicht über neue Wege zu diskutieren. Hier geht es darum, wie man eben seine Verhaltensweisen gegenüber Kindern ändern kann sofern man es will – und dann braucht man manchmal vielleicht Tricks (wenn es hilft).

Hallo Johanna,

ich habe den Vergleich der Beziehung zu den eigenen Kindern mit der Beziehung und der Kommunikation, die man mit FreundInnen pflegt, und der ja oft bedient wird (z.B. Gordons Familienkonferenz) als sehr hilfreich empfunden. Neben der Beziehung zu meinen Kindern klopfe ich seit geraumer Zeit auch meine Kommunikation mit Freundinnen dahingehend ab, ob ich mich in meinem Urteil zurückhalten kann bzw. wie sehr ich zuhören kann, ohne meine Meinung (die vielleicht verletzend sein könnte) kund zu tun. Manchmal habe ich das Gefühl, die ‘Lösung’ für deren Probleme zu haben, aber indem ich zuhöre, vielleicht auch nachfrage, kommt diejenige viel eher in ihrem Prozess weiter. Es ist letztlich so anmaßend, ‘Lösungen’ für andere parat zu haben (vgl. Dein Vorschlag: “Das riecht so eklig, das lassen wir Mal liegen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht da drauf treten, sonst bleibt das an unseren Schuhen kleben.” )

Der Vergleich zwischen Kindes- und Freundesbeziehung hinkt für mich dann, wenn die Freundin etwas tun würde, was mich verletzt bzw. etwas tun würde, was mich (be)trifft und mir nicht gefällt – dafür habe ich noch kein adäquates Verhalten. Meistens ziehe ich mich – zumindest für eine Zeitlang – zurück. Andersherum kann ich inzwischen, wenn mir so eine Grenzüberschreitung passiert, die Verantwortung übernehmen.
Nun kommt eine Grenzüberschreitung von Kindern sehr häufig vor (z.B.’Mami, Du bist ein Arschi!’), und es macht sicher keinen Sinn, sich dann zurück zu ziehen.

Das mache ich natürlich auch nicht. Aber einem Freund/einer Freundin würde ich nur sehr vorsichtig Zusammenhänge aus dem Weltwissen, die mir zur Verfügung stehen, erklären. Es klingt doch leicht überheblich. Sie würden immer in etwa folgendermaßen eingeleitet werden: “Oh, da würde ich vorsichtig sein … soweit ich weiß, können sich in Hundekacke auch Bandwurmeier befinden – die nisten sich auch im menschlichen Darm ein und die wird man wohl ganz schwer los!” (soweit zu Deiner Frage, welche Gefahrenquellen sich in Hundekot verstecken – das ist zumindest eine Möglichkeit). Wie findest Du diese Art von Sprache gegenüber Deinem Kind?

Gruß,
Niki

Ich verstehe deinen Einwand nicht so ganz. Wenn mich ein Freund verletzt kann ich doch durchaus sagen, dass mich etwas verletzt und was mich verletzt. Der Unterschied zwischen einen Freund und (m)einem Kind ist, dass das Kind noch nicht so lange auf der Welt ist und je nach Alter einfach noch nicht so viel weiß und Erfahrung hat. Mein Kind vertraut mir erst Mal per se, vorausgesetzt ich zerstöre dieses Vertrauen durch Erziehung nicht ;-) Wenn dieses Vertrauen nicht zerstört ist, dann reicht es schon, wenn ich sage “nimm das lieber nicht” oder es genauer erkläre: “da kann man Bandwürmer kriegen” (oder so ähnlich). Bei meinem Kind setze ich nicht voraus, dass er so was kann oder dass ich ihm zu nahe trete, wenn ich ihm so eine Information gebe. Bei deiner Freundin bist du besonders vorsichtig, weil sich so was gleich wie Kritik anhören könnte: “Wie kann man nur nicht wissen, dass man Bandwürmer davon kriegen kann?”

Ich für mich finde den Vergleich mit einem “Besucher aus dem All” besser: Ein mir anvertrautes kleines Wesen, das noch wächst, keine Ahnung von der Welt hat aber sehr sehr daran interessiert ist. Er gehört nicht mir, er ist ein Gast, und entsprechend behandle ich es respektvoll. Es weiß noch nicht viel, aber da wo er herkommt ist er “Erwachsen” – daher sind seine Gefühle genauso zu respektieren, auch wenn er noch nicht unsere Sprache kann. Na ja so ähnlich. Die Freundin jedenfalls, die weiß ja schon viel und man will ihr nicht zu Nahe treten.

Beim Hundekot-Problem bin ich davon ausgegangen, dass es eh ein sehr kleines Kind ist. Ich finde da kann man auch ruhig schon Lösungen anbieten, genauso wie ich finde, dass sehr kleine Kinder von zu viel Entscheidungsfreiheit überfordert sein können. Ich muss nicht dauernd fragen: willst du den grünen oder den gelben Becher? willst du A oder B? Ich kann auch einfach entscheidungen treffen. Wenn das Kind entscheidungsbereit ist, wird es das zeigen (“Och nee, ich will aber X!”) Wenn ich das dann nicht übergehe, ist alles paletti. Mit den Lösungen ist es genauso. Die Freundin hat schon viel Information und fühlt sich wahrscheinlich selbst vorbereitet genug, eine Lösung zu finden oder Entscheidungen zu treffen. Wenn ich dann mit meiner Lösung/Entscheidung komme, trete ich ihr genauso nahe, wie wenn ich einem Kind meine Entscheidung aufzwinge, obwohl es eine andere treffen würde. Ein so kleines Kind hat aber nicht so viele Informationen und ich bin doch dazu da, es zu informieren.

Hab ich irgendwas nicht beachtet?

Meine Tochter wollte grad nach langer Zeit mal wieder “Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat” vorgelesen haben (Autoren Werner Holzwart und Wolf Erlbruch). Witziges Buch über Tierkacke ;o).

Hallo! Bin gerade durch Zufall auf Eure Seite geraten! Ich wollte, ich hätte Eure Probleme!!! Ich kam mir vor, als
ob ich Texte von E. Henscheid lesen würde. Meine Güte, wenn sich meine Eltern mit soviel (um beim Thema zu bleiben) Psychokacke ´rumgeschlagen hätten, wären ihre acht(!) Kinder nie groß geworden. Ich kann mich zwar nicht d´ran erinnern, aber vielleicht habe ich auch als Kind mal in einem Hunde- oder sonstwas Haufen gewühlt, nur wurde deshalb kein Gesprächskreis gebildet. Ich hab´s überlebt (bin heute 42 Jahre alt) und hoffe, daß noch viele Kinder so normal und ungezwungen aufwachsen dürfen, wie ich es durfte!! Euch alles Gute!! Gruß Ecki

Hallo Ecki,

ich hoffe auch, dass möglichst viele Kinder unerzogen aufwachsen “dürfen” – allerdings ist das nicht “normal”. Ich weiß nicht, ob du das mit “ungezwungen” meinst. Ich hoffe. möglichst wenige Eltern machen sich Sorgen über so was wie Hundekacke – du hast vollkommen Recht, es ist Wahnsinn, sich über so was unterhalten zu unterhalten (es war aber lustig, den Artikel zu schreiben :) ). Der Artikel ist entstanden, nachdem in einer Mailingliste über mehrere Tage hinweg dieses Thema von mehreren Eltern diskutiert wurde! Also auf jeden Fall realitätsnah…

Solche Extrembeispiele werden immer wieder aufgetischt: Was ist, wenn mein Kind mit Hundekacke spielt, was ist, wenn es sie gar essen will, was ist, wenn es aus dem Fenster springen will, was ist, wenn es mit 4 Sex haben will, was ist, wenn es mir 30 noch im Familiebett liegt und stillt, was ist wenn es unter der Brücke landet und einen Serienmörder heiraten will?

Wegen Hundekacke wurde jedoch kein Gesprächskreis gebildet. Wenn du damit die Unerzogen-Mailingliste meinst (oder andere dieser Art) so ist diese gebildet worden, um Eltern und Interessierten zu helfen, sich mit diesem Thema aktiv auseinanderzusetzen und Hilfestellung von Gleichgesinnten zu erhalten – eben weil Nichterziehung leider nicht “normal” ist, und die meisten Menschen auch erzogen worden und es nicht anders kennen. Normal ist, dass man Kinder zwingt, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen, und vieles davon wird häufig “gut begründet”, etwa weil der Gesundheit geschadet wird (angeblich durch Hundekacke) oder sonst was.

Gruß
Johanna

Hallo!

Ich bin durch einen Bekannten auf eure Seite gestoßen und dies ist der erste Artikel, den ich gelesen habe ;)

Ok, nehmen wir mal an, das Kind ist so ca 2-3 Jahre alt – Nach Freud befindet es sich in der sogenannten analen Phase, in der es sich mit Vorliebe für seine … äh… Ausscheidungen interessiert! In dem Alter kann es nämlich das erste Mal bestimmte Muskeln mehr oder weniger kontrollieren und so zB den Darminhalt zurückhalten oder eben loslassen – Deshalb ist die Exkretion eigentlich als “Geschenk” zu betrachten, weil das Kind den Eltern etwas gibt, was es genauso gut auch trotzig zurückhalten könnte (was einige Kinder sogar tun, was Darmerkrankungen zur Folge hat)”

Was aber eigentlich wichtig ist, ist zu wissen, dass es wirklich ganz natürlich ist, wenn ein Kind das Bedürfnis hat, mit diesem “Material” zu spielen – Um zur Frage zurückzukommen: Ich würd meinem Kind wahrscheinlich ‘nen Klumpen Knete geben – So hat es das gleiche Gefühl in den Händen und tut nichts, was ihm schadet. Und irgendwann sind eh andere Dinge viel interessanter!

Gruß
Steffi

Vielleicht ist Kacke als Spielmaterial ja doch nicht so abwegig und sowieso nicht in jedem Fall eklig. Das vielleicht älteste Brettspiel der Welt, Kalaha, ließe sich mit den Böhnchen von Meerschweinen spielen, aber auch mit trockenen Hasenkötteln oder den Kötteln vom Reh.

(ich hätte jetzt gerne einen Trackback gesetzt, habe auch in meinem Artikel http://sumpffuss.blogspot.com/2009/03/code.html auf diesen Artikel verlinkt, aber nichts passiert – hast du Zeit, mir das mit dem trackbacken auf deine Seite zu erläutern?)

Ich habe keine Ahnung, wie das mit dem Trackbacken funktioniert!

Ich gebe mal ein einfaches Ich-kann-Schule-Beispiel, warum der Mensch nicht nichterziehen kann.
Nehmen wir den frustrierten Mathematiklehrer, der morgens mit der Einstellung in die Schule kommt: “Mein Gott, wenn ich nur schon wieder draußen wäre und mit all dem mein Leben lang nichts mehr zu tun haben müsste!”
LEHREN & LERNEN kommt von germ. LAISTI = FÄHRTE. Man lernt, indem man Fährten des Lebens verfolgt und dabei Erfahrungen sammelt. Wenn Dich das Lernen so fasziniert, dass Dir andere folgen wollen, bist Du LEHRER. Lehrer ist, wer auf einer Fährte des Lebens vorausgeht. So definiert es die neue Ich-kann-Schule.
LEHREN hat SOGwirkung, unvermeidbare SOGwirkung. Und gerade da ZIEHT – und erZIEHT – man am meisten, wo man am wenigsten darauf achtet. Man ist VERANTWORTLICH für seine SOG = ErZIEHungswirkung.
So, und jetzt die Schlüsselfrage:
Auf welcher FÄHRTE müssen die Schüler dem Lehrer folgen? Auf welcher Fährte folgen sie ihm?
Auf der Fährte der Mathematik?
Oder auf der Fährte: “Mein Gott, wenn ich nur schon wieder draußen wäre und mit allem mein Leben lang nichts mehr zu tun haben müsste!”?
Sog=ErZIEHungswirkung ist UNVERMEIDLICH. Es ist eine Illusion, zu glauben, man sei ein Nichterzieher. Da wir verantwortlich für unsere Wirkungen sind, sollten wir sie genauer anschauen und kennen- und lenken lernen. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe

Nochmal: Ich lehne das Machen von Menschen (-Kindern) ab. Damit ist ein bewusster Einfluss auf andere Menschen gemeint, der diese Menschen zu etwas machen soll. Menschen werden. Das ist ein großer Unterschied. Menschen werden durch ihre Weltbegegnungen. Bei manchen Menschen gehöre auch ich zu den Weltbegegnungen und habe dadurch einen Anteil am Werden. Diesen Anteil gilt es nicht wegzureden, aber eben auch nicht zu gestalten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist, dass es nichts zu gestalten gibt, denn wir wissen nie, welche Konsequenzen unser tun oder lassen hat und haben wird.

Diese Begegnungen mit einem Anderen Erziehung zu nennen, halte ich für weit hergeholt und unbegründet, wenn ich bei diesen Begegnungen nicht vor habe, den Anderen zu gestalten, sondern wenn ich den Anderen werden lasse.

Mit freundlichen Grüßen
Andy

Hallo,
ich bin relativ neu in Sachen unerzogen, wobei ich der Meinung bin, dass meine Tochter (14 Monate) sowieso eher unerzogen als erzogen ist.
Aber ich hab was passendes zu diesem Thema, wo ich echt nicht weiß, wie ich reagieren soll. Wahrscheinlich steht die Antwort eh schon oben drinnen, aber ich fürchte brauch’s noch mal schwarz auf weiß für meinen persönlichen Fall. ;)
Und zwar hat meine Tochter jetzt schon 2x das Katzenklo ausgeräumt und ich hab mit “Nein, nein NEIN! PFUI! Das will ich nicht! Jetzt gehen wir sofort Hände waschen. ... Nein geh weg, ich will das jetzt aufräumen. ...” und mit Verärgerung reagiert.
So und nun kann ich mir einfach nicht vorstellen irgendetwas zu ihr zu sagen, ohne zu erwarten, dass sie aufhört im Katzenklo zu spielen, denn das ist das was ich will. Ich hab keine Lust auf noch mehr Saustall und mir ist auch wichtig, dass ihre Hände gewaschen sind, bevor sie diese in den Mund steckt.
Würdet ihr wirklich dabei zuschauen, wie eure Kind mit dem Inhalt des Katzenklos spielt und dieses genüsslich im Abstellraum verteilt??? Oder was genau, würdet ihr tun?
Ich freu mich schon auf eure Antworten. lg, Sonja

Zuerst einmal finde ich es großartig, dass jemand überhaupt das WERDEN wahrnimmt und achtsam damit umgehen will. Das WERDEN findet nicht nur im anderen statt sondern in jedem von uns selbst auch. Und ein WERDEN hat Einfluss auf das andere WERDEN. Als Ich-kann-Schule-Lehrer bin ich kein Freund von Eingriffen in Lebenssysteme, die man nicht verstanden hat; hier weise ich z.B. immer auf den Konflikt zwischen einem Lehrplanvollzugsauftrag und der realen Begegnung mit dem Leben hin.
Da mein WERDEN aber ganz konkrete Wirkung auf andere WERDEN hat, bin ich auch verantwortlich für diese Wirkung. Das Leben verlangt verantwortliche Kommunikation. Einfach “nichts” zu tun und zu meinen, dann gechehe auch nichts, wird der Wirklichkeit nicht gerecht. Auch Nichtgestalten ist Gestalten.
Wirkliche Erziehung trifft man ohnedies bei uns nur äußerst selten. Mit DRUCK ist es keine ErZIEHung sondern ErDRÜCKung. Auch wenn ich statt der üblichen Pressionen den Betroffenen irgendwohin zerre, ist es keine ErZIEHung. In der Ich-kann-Schule sage ich es ganz eindeutig: ErZIEHung ist es dann, wenn jemand sich geZOGen fühlt und freiwilligt folgt. Es wäre fatal, wenn wir solches nur dem Zufall überließen. Wenn ich eine interessante Entdeckung gemacht habe und es mich wieder dorthin zieht, warum sollte ich jemand nicht mitnehmen, wenn es ihn von sich aus auch dorthin zieht? Was wir dabei tun, dient der Qualität unseres Werdens.
Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe

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