„Es geht einfach nicht ohne Erziehung!“

Johanna, 06.11.2006

Dies war ein Beitrag in einem Erziehungsforum. Er ist Teil einer längeren Antwort auf Beispiele verschiedener Alltagssituationen, in denen angeblich nicht auf Erziehung verzichtet werden kann. Die Diskussion ging schon einige Tage und wir drehten uns im Kreis…

Grundsätzlich kann man sagen, dass ihr euch im Kreis dreht, weil Gleichberechtigung in Eltern-Kind-Beziehung eine Lebenshaltung ist und nicht einfach nur eine Erziehungsmethode.

Gleichberechtigung in Eltern-Kind-Beziehungen besteht aus vielen Bereichen, die sich alle ergänzen und bereichern und unterstützen.

Sie ist nicht “nur” Freiheit.
Sie ist nicht “nur” Vertrauen.
Sie ist nicht “nur” helfen.
Sie ist nicht “nur” auffangen.
Sie ist nicht “nur” gemeinsam erstellte Regeln.
Sie ist nicht “nur” keine Regeln.
Sie ist nicht “nur” natürliche Grenzen.
Sie ist nicht “nur” Intention.
Sie ist nicht “nur” Ernst nehmen.
Sie ist nicht “nur” Konsens.
Sie ist nicht “nur” vor Gefahren schützen.
Sie ist nicht “nur” machen lassen.
Sie ist nicht “nur” Bedürfnisse stillen.
Sie ist nicht “nur” Bedürfnisse aller in Einklang bringen.
Sie ist nicht “nur” die Mühe, die wir uns machen.
Sie ist nicht “nur” der gesunde Menschenverstand.
Sie ist nicht “nur” Selbstregulierung.
Sie ist nicht “nur” lenken statt zwingen.
Sie ist nicht “nur” Neins seitens des Kindes akzeptieren.
Sie ist nicht “nur” keine Verbote.
...
...
...

In unterschiedlichen Situationen greifen unterschiedliche Bereiche der Gleichberechtigung.

Manchmal “wirkt” das gegenseitige Vertrauen.
Manchmal wirkt das Auffangen, wenn was schief gegangen ist.
Manchmal wirkt das Helfen.
Manhcmal wirken Regeln, mit denen alle einverstanden sind.
Manchmal wirkt Konsens.
Manchmal wirkt, dass wir keine willkürlichen Regeln aufstellen.
Manchmal wirkt der gesunde Menschenverstand.
Manchmal greifen wir bei Gefahren ein.
Manchmal erziehen wir aus versehen und es wirkt, dass wir uns entschuldigen.
Manchmal wirkt die Intention und der Ton.
Manchmal wirkt die Tatsache, dass das Kind frei entscheidet.
Manchmal wirkt, dass wir einfach nur trösten.
Manchmal wirkt, dass wir das Kind besonders ernst nehmen und auch Mal 10 Tage danach wieder auf einen Wunsch zurück kommen.
Manchmal wirkt, dass wir unsere Bedürfnisse zurück stecken.
Manchmal genau das Gegenteil.
Manchmal wirkt eine negative Erfahrung außerhalb der Familie (eine natürliche Grenze!).
...
Manchmal wirken viele Dinge auf ein Mal…

Auf jeden Fall ist unsere Reaktion immer Situationsabhängig und meistens gehen wir verschiedene Möglichkenten systematisch durch:

  • Eingreifen bei Gefahr!
  • Immer ernst nehmen
  • Ist es möglich, machen wir es
  • Kollidieren die Bedürfnisse, finden wir raus, was dahinter steckt (nach einiger Zeit können die Kinder schon von vorne rein deutlich sagen, was los ist und man muss nicht Detektivarbeit leisten)
  • Lösung finden, Kind in die Lösungsfindung einbeziehen (Lösung kann alles mögliche sein, womit alle einverstanden sind: würfeln, abstimmen, zurückstecken, mal ich mal du, mal würfeln mal abstimmen, Kompromiss, aufschreiben für später, andere Möglichkeit für das selbe finden, irgendwas verrücktes….. etc. etc. etc.
  • wenn es wirklich nicht geht, freundlich bleiben und erklären
  • wenn trotzdem traurig, trösten
  • Lösung für die Zukunft finden
  • Lösung in der Fantasie ausmalen (kleine Kinder)

    ... und bestimmt habe ich irgendwas vergessen… na ja, so ungefähr!!!

    Ihr dreht euch im Kreis, wenn ihr dann sagt:

    Aber was ist wenn… aha, ist also nur die Intention !

    Dann sag ich: Nein, es geht um Kinder ernst nehmen!

    Aber was ist wenn… aha ja das geht aber nicht, wir haben 7 Kinder!

    Dann sag ich: ja, dann kann man demokratisch abstimmen oder würfeln!

    Aber was ist wenn… aha, das geht aber auch nicht, dann sind doch manche traurig!

    Dann sag ich: dann kann man aber die Enttäuschung der traurigen Kinder ernst nehmen und eventuell ausgleichen!

    Aber was ist wenn… ach, das geht nicht, sie müssen doch lernen, dass sie nicht immer alles in den Axxxxx geschoben kriegen!

    Dann sag ich: es gibt aber genügend natürliche Grenzen!

    Aber was ist wenn… ja, dann stirbt das Kind weil es aus dem Fenster gesprungen ist und die natürliche Grenze schneller war! Und das zweite Kind kriegt keinen Job!

    Dann sag ich: ja, aber es gibt doch noch den gesunden Menschenverstand, und außerdem kann ich es auffangen/retten! Und außerdem vertraut es mir, wenn ich warne.

    Aber was ist wenn es nicht vertraut…

    Dann sag ich: dann kann es noch retten!

    Aber was ist wenn…

    Dann erkläre ich wieder alles und dann kommen wieder “Aber was ist wenn…”-Sätze.

    Merkt ihr was?

    Das Problem ist, dass ihr einfach nicht davon überzeugt seid (und das ist euer gutes Recht – jeder so wie er es mag!), dass Kinder

    1. Freiheit brauchen (ihr glaubt sie brauchen Grenzen).

    2. gleichberechtigt sein sollten und ihre Wünsche als Bedürfnisse gesehen werden sollten, eben als genau so wichtig wie die der Erwachsenen, und wenn sie noch so unsinnig sind (wir reden hier von den Bedürfnissen, nicht von den Taten)

    3. Erziehung nicht brauchen (ihr vertraut nicht auf Selbstregulierung, ihr glaubt nicht, dass Kinder gewisse Dinge einfach so gemacht hätten oder machen würden. Da schöpft ihr zwar aus “Daten” von erzogenen Kindern, aber egal)

    Ganz einfach! Da ihr einfach nicht von diesen Grundsätzen ausgeht, könnt ihr gar nicht kreativ genug werden, um selbst auf Lösungen für diverse Alltagssituationen zu kommen!

    Eltern, die gleichberechtigt mit ihren Kindern leben, können es – nicht immer – aber allermeistens, und immer besser, und sie bemühen sich (durch Lesen, informieren, in Mailinglisten sein, andere fragen, die das auch machen, ausprobieren…), es immer besser hinzukriegen. Ich kenne Eltern, die gleichberechtigt mit ihren Kindern leben und 7 – sieben – Kinder haben!!!

    Deshalb bringt ihr jetzt Beispiele, in denen es doch “einfach nicht geht” ohne Erziehung oder “über dem Kopf des anderen hinweg zu entscheiden”. Und selbst bei Enttäuschung eines Kindes kommt ihr nicht unbedingt auf weitere Lösungen für die Zukunft (Bedürfnisse ernst nehmen und nächste Woche wirklich zum Spielzeugladen gehen) oder darauf, dass Eltern gleichberechtigter Kinder manchmal halt einfach nur trösten können.

    So, das ist einfach das Problem. Wenn ihr von diesen Grundsätzen ausgehen würdet, dann würdet ihr auf Lösungen kommen! Dann wolltet ihr auf Lösungen kommen. Ihr würdet nicht anders können, und ihr wäret genau wie wir auch ein bisschen mitenttäuscht, wenn es wirklich Mal nicht klappt.

    Nicht immer, aber immer öfter, und je älter die Kinder werden, würden die ja auch immer mehr in Lösungsfindung integriert werden können. Wenn das Kind in Vergangenheit öfter Mal übergangen worden ist, weil es eben einfach nicht ging, wird es ein besonderes Interesse haben, sobald es das kann, in Lösungsfindung integriert zu werden und mit guten Vorschlägen zu kommen. Außerdem hat es das ja schon immer gelernt. Je älter es wird, desto einfacher wird es (statt in Erziehung: immer schwerer wegen Pubertät), weil es immer leichter sein wird, die Bedürfnisse ernst zu nehmen (das müsste auch in Erziehung so sein, leider wird das oft nicht praktiziert, weil man einfach den Jugendlichen immer noch in eine bestimmte Verhaltens- oder Denkweise drücken möchte). Es wird besonders leicht, sobald die Kinder alleine sein können, denn dann sind sie viel selbständiger und nicht von unserer Anwesenheit abhängig (“du ‘musst’ jetzt einfach zum Einkaufen mitgehen…”).

1 Kommentar zu “„Es geht einfach nicht ohne Erziehung!“”

schöööööön!

moca

Einen Kommentar schreiben

* = Pflichtangabe

Unerzogen Magazin